Dane Rahlmeyer: Der Schatz der gläsernen Wächter. CreateSpace Independent Publishing Platform. 2012.

Es gibt viel mehr freiberufliche Schriftsteller in Deutschland, als ich dachte, und nicht wenige davon arbeiten auch für Rundfunk und Fernsehen (was nichts bedeutet, weder im Guten noch im Schlechten). Zu ihnen gehört auch Dane Rahlmeyer, dessen Namen ich nicht kennen würde, wäre nicht sein »Der Schatz der gläsernen Wächter« in der Ebook-Bestsellerliste von Amazon aufgetaucht.
Der Autor schafft für seine Steampunk-Fantasy ein eigenes Universum, in dem das »Ælon« (eine Art Elektro-Atomkraft) zu Ende gegangen ist und durch die Kraft des Dampfes ersetzt wurde. Die junge Archäologin Kriss sucht nach der mysteriösen Insel Dalahan und ihrer verschollenen Mutter. Ihr Gegenspieler und Vertreter den Bösen ist General Ruhndor, der natürlich trotz seiner technischer und militärischer Überlegenheit von dem Mädchen und ihrem Begleiter ausgetrickst wird. Das Prinzip der Geschichte kennt man von Karl May: Aktion, Gefangennahme, Flucht und wieder von vorn. Am Ende ist Ruhndor doch nicht ganz so böse und wird folgerichtig ermordet.

Meine Begeisterung für das Buch ließ in dem Maß nach, in dem die Erzählung an Tempo verlor. Sachverhalte werden wieder und wieder beschrieben, und die Geschichte selbst erweist sich als eine Abfolge von in Szene gesetzten Bilderrätseln, die mir ebenso wenig zusagt wie die Schnitzeljagd in »Das Vermächtnis der Tempelritter« und Co.

Mit zunehmender Länge und Langatmigkeit fallen mir Ausdrücke im TV-Schlabber-Deutsch auf: absolut faszinierend, nicht ganz vorbereitet, nicht wirklich. Einige Vergleiche gehen völlig daneben, Kommata fehlen.

Für die fantasiereiche und im Großen und Ganzen gut geschriebene Geschichte vergebe ich keinen »Daumen«. Wer Schnitzeljagden und einen großartigen Showdown mag, ist mit dem »Schatz« gut bedient, das wäre ein »Daumen hoch«. Ich habe eine etwas komplexere und kurzweiligere Geschichte erwartet, mag auch diese primitiv-sozialistische Friedensbotschaft nicht und neige deswegen zu einem »Daumen nach unten«, aber weil das Buch insgesamt nicht schlecht ist, hätte es diese negative Bewertung nicht verdient.

www.amazon.de/Schatz-gläsernen-Wächter-ebook/dp/B005R0S5WS

Nachtrag:
Der Autor reiht sich in die deutsche Friedensbewegung nach dem Motto »Frieden schaffen ohne Waffen« ein. Er malt eine wunderschöne Schwarz-Weiß-Welt, in der die Menschen böse und gewalttätig und die Guten gut und verletzlich sind (Die Unterscheidung zwischen den Menschen und den Guten geschieht absichtlich. - ML). Das, was wie eine konsequente Stellungnahme gegen den Krieg auftritt, zeugt von Weltfremdheit und vereinfachter Weltsicht, die gut in die frühe SF der DDR (Weise: Das Geheimnis des Transpluto) gepasst hätten. In dem bei Star Wars abgekupferten (und erweiterten) Folterexzess zum Schluss des Buches beweist Rahlmeyer dann auch, dass ein Friedenskämpfer durchaus Geschmack an extensiver Gewaltdarstellung haben kann. Übrigens betrifft diese Kritik auch viele andere Bücher deutscher Autoren. In der Literatur unseres ach so friedens- und harmoniesüchtigen Landes wird drauflos gefoltert, dass mir übel wird.