Malte Bremer: Das Buch von Pfarrer Menzel. 2013.

Der Germanist Malte Bremer schreibt als Textkritiker für das Literaturcafé (www.literaturcafe.de), und mit diesen Kritiken bringt er mich regelmäßig zu einem herzhaften Lachen. Außerdem ist er Autor einer Sammlung von Sätzen und Geschichtchen um Pfarrer Menzel, die als Kindle-Edition erschienen ist. Es könnten Blog-Beiträge sein, manche Kapitel sind nur einen Satz lang, selten überschreitet eine Geschichte die Länge einer Kindle-Seite.

Pfarrer Menzel ist für die katholische Kirche das, was Bielefeld für Deutschland und die Katze für Schrödinger ist: er existiert und existiert nicht. Menzel ist zu allem Überfluss auch noch sein eigenes zerbröckelndes Denkmal, wenigstens manchmal. Er hat seinen Vornamen verloren und feiert statt seines Namenstages den Geburtstag seines protestantischen Amtsbruders, er predigt, feiert, mogelt und schinkelt. Eines Tages beschließt er, eine Fremdsprache zu lernen, und greift letztendlich zum Universal-Sprachenlehrbuch seines verstorbenen Amtsbruders Schleyer, in dessen Sprache (Volapük) er eine Sonntagspredigt hält.

Als Germanist alter Schule beherrscht Malte Bremer die deutsche Sprache und spielt mit ihr. Das Ergebnis ist nicht immer Duden-korrekt, aber ich manchmal weiß nicht, ob es sich bei den Inkorrektheiten um einen übersehenen Fehler, ein Sprachspiel oder meine Unkenntnis der Duden-Regeln handelt.

Die deutsche Sprache leistet viel in den richtigen Händen wie hier bei Malte Bremer. Deswegen bekommt er einen »Daumen«. Daumen nach oben oder Daumen nach unten? Natürlich einen von Pfarrer Menzel!

Von der Höhe deutscher Elfenbeintürme
Nachträglich habe ich literaturcafe.de auf einen Unterschied zwischen der Ebook-Ausgabe und der Veröffentlichung auf der Webseite aufmerksam gemacht. Tatsächlich ist die Überschrift »Pfarrer Menzel lacht wegen einem Witz« gewollt, und auch die Wendung »Als dem Pfarrer Menzel beim Fressen beim Fernsehen dem Kartoffel aus dem Maul fiel« stellt eine Anspielung auf einen Roman von E. Henschein (1994) dar. Nun sollte ein Techniker (ich bin Elektrotechniker und Informatiker) nicht versuchen, in sprachlichen Dingen schlauer als ein Germanist zu sein. Andererseits sollten auch Germanisten, die auch im laufenden Jahr 2013 mit schlechtem Deutsch zugemüllt werden, überlegen, ob sie eine »wegen+Dativ«-Form als Überschrift sanktionieren (»Auch im Web finden Sie jetzt wieder den korrekten, vom Autor vorgesehenen Dativ.« - so die Antwort vom Literaturcafé.). Mir bleibt das Lachen im Hals stecken. Vielleicht ist »Pfarrer Menzel« doch nur das Dampfgeplaudere eines weltfremden Akademikers. Malte Bremer soll den abgebröckelten Daumen von Pfarrer Menzel behalten. Ich will ihn nicht zurück.

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