Zwischenruf in eigener Sache.

Ich lese gelegentlich in Foren, die sich auf die eine oder andere Art mit Ebooks beschäftigen. Dabei stelle ich fest, dass Autoren anscheinend vorzusgweise schreiben, aber wohl keine Bücher herunterladen, kaufen oder gar lesen.

Zwei wunderschöne Beispiele: Darf ich als Autor Markennamen benutzen? Dürfen meine Figuren Coca Cola trinken, mit einem Honda zu McDonalds fahren und einen McRib verspeisen? Kaufen sie bei Edeka ein? Lesen sie etwa sogar die BILD-Zeitung?

Ich habe bis dato als Totbaum vor allem amerikanische Krimis gelesen, Kathy Reichs ebenso wie z. B. John Sandford. Diese Autoren lassen ihre Figuren in sehr realen Umgebungen leben. Ich kann Google Earth starten und nachvollziehen, welche Straßen gefahren werden, welches Restaurant besucht wird, und die Erwähnung der Automarke ist eine Selbstverständlichkeit (die Bösen fahren meist BMW). In der Fernsehserie "Bones" wird ganz offen für Toyota Werbung gemacht ("Der parkt ganz alleine ein"), bei Navy CIS wird mit einem Windows Surface Tablet gearbeitet, der Starbucks-Pappkaffee ist fast allgegenwärtig. Abgesehen von der Werbung in TV-Serien gehören Marken zum Realismus hinzu. Das ist anders als vor hundert Jahren, wo jemand in ein Restaurant am Kudamm ging. Autoren, die selbst nicht lesen, bekommen solche Entwicklungen nicht mit.

Amüsant sind auch gelegentliche Klagen, dass nach enormen Downloads bei kostenlosen Amazon-Angeboten die Verkauszahlen einbrechen. Auch da meine Frage an Verleger und an selbstverlegende Autoren: Ladet ihr keine Bücher bei Amazon kostenlos herunter? Habt ihr keine Vorstellung von der Psychologie des Lesers?

Tatsächlich lösche ich etwa die Hälfte meine kostenlosen Downloads nach dem Lesen von wenigen Seiten nicht nur von meinem Kindle, sondern auch aus meiner Wolken-Bibliothek bei Amazon (der "Cloud"). Kostenlose Downloads befriedigen nur die Neugierde, und wer aus diesen keinen Verkauf generieren kann, sollte sich Gedanken machen, ob er am Markt vorbei schreibt oder unzureichende handwerkliche Fähigkeiten hat. Die Zahl der kostenlosen Angebote ist explodiert. Auch Alt-Autoren wie Alfred Bekker und Michael Szameit werden dort wieder vermarktet. Handwerklich können viele neue Autoren den "alten Herren" nicht das Wasser reichen. Inhaltlich bieten Bekker und Co. etwas für Nostalgiker. Wer diese Autoren vor zwanzig Jahren gelesen hat, geniesst jetzt eine Reise in die Vergangenheit, aber - ehrlich - bezahlen will ich für die bereits erlebte Vergangenheit auch nicht.

Der Aufschrei: "Ich habe über 30 000 kostenlose Downloads, und jetzt will niemand mehr für mein Buch bezahlen." Ja klar. Zum Einen ist das ein Versagen des Verlags, der den Markt mit diesem kostenlosen Angebot zerschossen hat. Zum Zweiten bedeuten kostenlose Downloads eben nichts, wie ich oben beschrieben habe. Es ist ein abwegiger Gedanke: Die 30 000 Downloads sind 30 000 Leser, denen mein Buch gefällt. Falsch! Das waren 30 000 Neugierige, die möglicherweise festgestellt haben, dass der Autor doch nicht schreiben kann. Ich sehe das so, weil ich selbst lese und Bücher herunterlade. Aber woher beziehen Autoren und Verleger ihre *eigenen" Erfahrungen?

Autoren und auch Verleger vergessen oft vor lauter Faszination die einfachsten Regeln der Marktwirtschaft. Und dann sind wieder die Anderen schuld. Die BMW-Fahrer.