Gerlis Zillgens: Coffeeshop 1.01: Ein Büro, ein Büro. Lübbe Digital. 2012.

»Coffeeshop 1« gehört zu den ersten Büchern, die ich für mein Kindle gekauft habe. Das Buch ist eigentlich kein Ebook, sondern eine multimediale Installation (Multimedia-App, Hörbuch, Ebook) und das erste einer Folge von zwölf Episoden zu je 0,99 Euro (interessantes Geschäftsmodell). Die Autorin arbeitet auch für Fernsehen und Kabarett. Ich halte übrigens gar nichts von multimedialen Experimenten. Immer noch nicht.

Die Hauptfigur ist »Sachensucherin«, und weil sie kein Büro hat, residiert sie in einem Szene-Lokal in Berlin-Mitte. Die Begriffe »Szene-Lokal« und »Berlin-Mitte« rufen Assoziationen in mir wach: Die Werbung für das Berliner-Kindl-Bier, der Songtext »Morgens bin ich immer müde, aber abends werd’ ich wach«, der immer noch im Bau befindliche Flughafen und ein unendliches Schuldenkonto (wo soll das Geld für eine Stadt auch herkommen, die morgens noch müde ist vom Kindl-Trinken?). Dessen ungeachtet: Berlin ist eine interessante Stadt, und die Szene bietet mehr als den schwulen Coffeeshop-Besitzer. Das weiß sogar ich. Wer auch nur durch die Stadt geht, findet Szene und Menschen und bunte Vielfalt.

Der Inhalt der Geschichte tut nichts zur Sache, das intellektuelle Niveau beträgt etwa siebzig Zentimeter (die Höhe eines Stammtischs). Ich habe das Buch wirklich gelesen, Stichworte: dorische Säulen, Elternbesuch, Asterix. Der Plot erinnert mich an die deutschen Filme der 1920er und 1930er Jahre, nur eben ohne Revue und ohne Heinz Rühmann. Frau Zillgens erzählt bemüht humorvoll und streut Gags ein, übertreibt es dabei auch manchmal, aber was mir fehlt, ist das laute Herauslachen, ich kann nur hier und da etwas lächeln. Ich finde es eben nicht lustig, wenn man seine Eltern als virtuelle Idioten darstellt (Diesen Gag versteht nur, wer das Buch gelesen hat.).

Immerhin, ich habe bis zum Ende gelesen, und mir geht es wie bei vielen ähnlichen deutschen Produkten: Irgendwo und irgendwie fehlt etwas; wenn die Geschichte am Ende ist, müsste sie richtig losgehen; und überhaupt hätte man aus einer tollen Ausgangssituation viel mehr machen können.

Inzwischen befürchte ich, dass meine Bemerkungen zum Buch länger sind als das Buch selbst, und deshalb kann ich nur einen »Daumen nach unten« vergeben.

www.amazon.de/Coffeeshop-1-01-Ein-Büro-ebook/dp/B009VXN8NI