Iny Lorentz: Die Münze im Becher. Knaur-Verlag. 2012.

Iny Lorentz ist eines der Pseudonyme des Schriftstellerpaares Iny und Elmar. Bekannt geworden sind sie vor allem durch die »Wanderhure«, aber auch darüber hinaus sind sie äußerst produktiv. Bei Amazon gab es die Kurzgeschichte »Die Münze im Becher« kostenlos, und mit einem Mausklick landete sie auf meinem Kindle. Im Voraus habe ich mir die Bewertungen bei der Verkaufsplattform angesehen. Diese waren äußerst durchwachsen.

Den ersten Teil der »Wanderhure« habe ich mit Vergnügen gelesen. Vom zweiten Teil habe ich nur den Anfang geschafft, aber weder um den ersten noch um den zweiten Teil (oder gar um die Verfilmungen) soll es hier gehen. »Die Münze im Becher« spielt im »Wanderhure«-Universum. Marie besucht mit ihren drei Kindern einen Markt, Sohn Falko ist mit seinen achtzehn Jahren der Älteste, sie essen und kaufen und entlarven so nebenbei ein betrügerisches Trio. Genau diese Minimalität der Handlung und der Zeichnung der Personen war in den Bewertungen negativ angesprochen worden.
Nun ist das eine kostenlose Kurzgeschichte, und als solches kann man nicht mehr erwarten. Mehr noch, die Werbung des Knaur-Verlags zum Schluss des Buches zeigt, dass es sich eher um ein Werbegeschenk handelt. Kugelschreiber verschenkt jeder, der Knaur-Verlag macht es mit elektronischen Kurzgeschichten.

Ich habe die Geschichte mit Vergnügen und auf einem Rutsch durchgelesen. Sicher, die Handlung war in keiner Weise faszinierend. Aber Iny Lorentz kann schreiben. Es gibt gutes Deutsch, die Geschichte ist ordentlich strukturiert und vermittelt unterhaltsam und bildhaft mittelalterliches Treiben. Hier macht Lesen Spaß.
Bestehende Ähnlichkeiten zu einem heutigen Mittelalterspektakel sind nicht von der Hand zu weisen, die Geschichte könnte man mit nur wenigen Änderungen also auch in die Gegenwart versetzen. Klar, dafür sind Mittelalterspektakel ja da. Iny Lorentz bekommt für die »Münze im Becher« ein »Daumen hoch«.

www.amazon.de/Die-Münze-Becher-Special-ebook/dp/B009S64GY8