Sicherlich teile ich mit vielen Bewohnern des kalten miteleuropäischen Landstrichs die Liebe zu einem Bad in der Wanne. Ein Bad zu nehmen in der kalten Ostsee ist erfrischend, aber oft zu quallig. Das warme Wasser der türkischen Ägäis ist glasklar, aber salzig. Ein Bad im Nil zu krokodilig ein Bad im Atlantik zu gefährlich, der Strömung wegen....

Da weiß man doch, was man hat, in seiner Wohnung: das Wannenbad.

Nicht mehr von Zink, sondern weiß und glatt und gänzend lacht mich die Wanne an. Ich kann so heiß oder kalt baden wie ich möchte und den Badegast kann ich allein bestimmen. Das ist der Luxus.

Seit 21 Jahren baden wir gemeinsam. Die Reste fünf verschiedener deiner Shampoos mischen heute wundersam ihre Düfte. Rotwein rinnt mir durch die Kehle und ich fange aus der Tüte ins Wasser gefallene Caschunüsse ein. Sie sind nicht mehr salzig. Heute keine Kerzen, keine Romantik, bitte. Ich sehe uns hier sitzen vor zwölf Jahren, gegenüber, und wir rechneten im Kopf mit portugiesischen Zahlen, damit sie uns bekannt sind, wenn wir nach Brasilien kommen. Was für ein Spaß! Ein anderes Mal, ich hatte den Arm in Gips und hoch über den Schaum erhoben, wuschst du mir mit all deiner Kraft den Rücken. Und vor einundzwanzig Jahren ließ man uns um Mitternacht in fremder Wanne ein Bad ein. Wir stiegen hinein und es ging uns blendend.

Heute sitze ich allein in den schäumenden Wellen und erinnere mich: 6 Stunden später warst du geboren.

Alles Liebe zu deinem Geburtstag!