Jeden Morgen geht die junge ägyptische Frau ihren Weg zum Markt. Sie trägt ihr langes Gewand und ist durch Tücher gegen die Hitze und aufdringliche Blicke geschützt. Wer sie anschaut, erkennt kaum ihre Augen. Die schöne Figur ahnt man. Den großen Korb, den sie auf ihrem Kopf balanciert, sieht man. Darin sind schöne, rote, reife Tomaten. Es sind so viele, dass sie über den Rand des geflochtenen Korbes heraus schauen.

Ein Tourist kommt im Taxi daher, sieht die Frau, lässt eilig stoppen.

Nun weiß man nicht, was ihn treibt. Vielleicht will er am Abend ein Essen geben, vielleicht hat er Mitleid mit der armen Frau, die so schwer zu tragen hat. Vielleicht will er seine Zeit mit ihr und schöneren Dingen als Taxifahren verbringen... - Wer kann das wissen?

Er will ihr den Korb mit all den roten Tomaten abkaufen. Sie kommen ins Handeln. Er feilscht mit Ausdauer, wie es sich gehört. Er bietet, er kommt entgegen, er steigert den Preis, den er zu zahlen gewillt ist. Doch so unermesslich hoch der Betrag ist, den er nennt - sie lächelt und sagt NEIN und lacht.

Sie lachen beide, obwohl der Tourist ihr Handeln nicht versteht. Sie lachen und kommen ins Gespräch. Sie könne, so sagt sie ihm, den langen Tag mit ihren Freundinnen auf dem Markt sitzen und schauen und erzählen und dabei ihre schönen roten Tomaten verkaufen. Auch wenn sie nur Abnehmer für ein Dutzend finde, sei sie über diesen Tag fröhlicher, als über jenen, an dem sie nach einer halben Stunde mit leerem Korb und viel Geld nach Hause zurückkehren müsse.