Vor ein paar Tagen war ich mal wieder auf dem Weg nach Hause - von Berlin nach Marburg. Und wie das mit dem Trampen so ist - manchmal klappt alles wie am Schnürchen - und manchmal ist einfach der Wurm drin.

Diesmal war es ein aus Polen stammendes Pärchen, auf dem Weg in seine deutsche Wahlheimat,  dass mich nach ein bisschen Diskussion zwischen den Beiden, bereit erklärte, mich ein gutes Stück des weiteren Weges mitzunehmen.

Die nächsten 150km lief, bei einer angenehmen Reisegeschwindigkeit um die 130 km/h, auch alles prima. Nur dann stellte sich unvermittelt hinter mir, der ich auf der Rückbank saß, ein seltsames Fahrgeräusch ein, dass schnell lauter wurde und offenbar mit einem gravierenderen Reifenproblem zu tun hatte. Also angehalten und einen Platten diagnostiziert. Zum Glück gab es in diesem Abschnitt der Autobahn einen Seitenstreifen, was dort nicht überall der Fall ist - weswegen es auch gerne mal zu Staus auf dieser Strecke kommt.

Aber damit ging es erst richtig los. Unser Gefährt, dass seinerseits aus einem weiter südlich gelegenen Land stammt, dessen Fahrzeugproduktion gerade bei den älteren Baujahren für gewisse, extravagante Konstruktionsmerkmale bekannt ist, hatte sein Reserverad in einer Halterung außerhalb des Wagens, unterhalb des Kofferraums; Soweit noch kein Problem. Als nächstes erklärte mir dann aber mein Fahrer, dass sein Wagen mal einen Unfall hatte - und deshalb der Kofferraumdeckel nicht zu öffnen war. Also musste zum Lösen der Halteschraube - der Reserveradhalterung außer- und unterhalb des Wagens - die sich wiederum innen und halb von dem nicht zu öffnenden Kofferraumdeckel verdeckt war, erstmal ein Großteil des Reisegepäcks entfernt werden.

Nachdem das soweit gelungen war, und die Reserveradhalterung außer- und unterhalb des Wagens mit ein paar beherzten Hammerschlägen dazu überredet werden konnte, sich aus dem Sicherheitshaken zu lösen, musste mein Fahrer die Feststellung machen, dass er offenbar keinen Wagenheber mit sich führte. Blieb also als Option der ADAC.

Aber: Bei dem Versuch diesen zu kontaktieren musste mein Fahrer nach mehreren Versuchen, eine Verbindung herzustellen, zu der Erkenntnis kommen, dass er offenbar versäumt hatte, den Akku seines Handy aufzuladen. Nicht ganz uneigennützig - und um ihm den Gang zu einer Notrufsäule in nicht zu erkennender Entfernung zu ersparen - überließ ich ihm für den Anruf also mein Handy, dass ich ja unter anderem zu genau diesem Zweck, unvorhergesehener Ereignisse, mit mir führe.

Nach der Ansage, dass binnen einer halben Stunde ein ADAC-Fahrzeug kommen würde, bekam ich dann erstmal Brötchen, ein langes Stück polnischer Wurst und Kaffee aus dem Reiseproviant meiner Fahrer gereicht, um die Wartezeit zu überbrücken. Auch die enststandenen Handykosten bekam ich erstattet - nebst einer Verdauungszigarette, polnischer Abstammung.

Als dann unser Retter sogar in weniger als der veranschlagten halben Stunde vor Ortt ankam (ob der Abschleppwagen, den er fuhr, Zufall oder eher für den Fall der Fälle gedacht war, kann ich nicht sagen) wartete als nächstes die Feststellung auf uns, dass der mitgebrachte Wagenheber nicht funktionieren zu wollen schien.

Allerdings konnte er nach etwa 10 Minuten fortgesetzter Bemühungen, dann doch von seinem Starrsinn befreit werden. Und das weitere Vorgehen lief dann auch durchaus wie gewünscht und zügig - sodaß wir nach insgesamt etwa einer Stunde Verzögerung unsere Fahrt wieder aufnehmen konnten..

Allerdings war meinem Fahrer die ganze Sache mit der Panne sichtlich unangenehm, so dass mir  während der weiteren Fahrt fortlaufend Zigaretten angeboten wurden und ich zum Abschied sogar noch eine komplette Schachtel geschenkt bekam - die mir in Hinsicht auf meinen schwindenden Tabakvorrat, der finanziellen Lage - und vor allem im Verlauf der weiteren Nacht, sehr gelegen kam...

Ach ja - eine Pointe gibt´s auch noch: Nach abgeschlossener Operation Reifenwechsel wurde der defekte Reifen natürlich in die erwähnte Reserveradhalterung außer- und unterhalb des Wagens verstaut. Bei dieser abschließenden Gelegenheit fiel meinem Fahrer, bei dem damit einhergehenden Blick unter seinen Wagen, auf, dass er offenbar doch einen Wagenheber mit sich führte; Nun ja...