Im Kleinbus nach Cachi - ein trauriger und langweiliger vertaner Tag

Vorne ein aelteres Ehepaar - ihm schaute der gut genaehrte Bauch unterm T-Shirt raus, sie ein italienisch-Ostblock-Verschnitt. Dahinter teilte sich ein junges argentinisches Ehepaar die Bank mit Natalie - eigentlich aus Ost-Kanada - und wir auf der letzten Bank zusammen mit Patrick - dem Freund von Natalie aus eigentlich Neuseeland.

Man hoerte nichts von dem, was der Fahrer sagte, konnte kaum etwas sehen und wir brauchten immer eine halbe Ewigkeit, um aus den Wagen zu kommen. Warum eigentlich? Egal. So ging es Stunde um Stunde ruckelnd und schlafend durch die graue Gegend mit wenigen Zwischenstops, um nichtssagende Kirchen anzuschauen oder den Bauch des argentinischen Mannes mit fettiger Nahrung zu fuellen (Britta mag ja Maenner mit Bauch). Nach unendlich langer Zeit und ohne auch nur ein einziges rot glaenzendesParprikafeld gesehen  geschwiege denn fotografiert zu haben, kamen wir in Cachi an. Hotelknappheit und keine Lust, rumzulaufen. Wir teilten wir uns daher kurzerhand ein Zimmer mit Patrick und Natalie (Schweizer, Kanadier und Neuseelaender in Einem). Ilka grummelte endlich mal der Magen, auch sie hatte endlich mal Hunger und wollte was Essen . Sie behauptet gerade,  einen Tag mit Salzkeksen und Wasser verbracht zu haben. Ich sehe sie aber Milanesa mit gemischtem Salat essend genau vor mir ... Komisch. 

Cachi - eine Plaza - ein Café - 5 Minuten zur Dorfumrundung - zwei kleine Kinder - aber alles ganz suess und ein Traum in Weiss. Was soll man hier nur machen??? Da Ilka kraenkelte, plante Britta im halbdunkelnd  auf der wunderhuebschen, zugigen und eiskalten Plaza sitzend einfach minutioes die naechsten Tage - ohne zu wissen, was genau unsere naechsten Etappennziele waren. also alles umsonst . Ein trister Tag geht zu Ende .... Zum Glueck unser erster und hoffentlich letzter ;-)

Um 09.00 Uhr ging es dann mit einen ausgeprochen leckeren Fruehstueck mit einem Bus aelteren Kalibers weiter nach Salta. Was sich in der Nacht im Vierbettzimmer noch so ereignete, verschweigen wir auf Wunsch von Ilka an dieser Stelle ;-) Sollte dem ein oder anderen aus den Venezuela -Tagebuch noch bekannt vorkommen, oder?

Die spektakulaerste Busfahrt unseres Lebens

Der betagte und erfahrene Busfahrer sass auf einem mit Wascheleinen bespannten Fahrersitz, ueber ihm hing eine blau-weisse Kuechenuhr , die nicht funktionierte - es war nicht 6.35 Uhr. Mit der linken Hand musste er immer wieder den umfallenden Feuerloescher aufrichten, der sonst auf Ilka gefallen waere, die direkt hinter ihm sass wegen der schoenen Aussicht! Bei froehlicher Folkloremusik in voller Lautstaerke kurvten wir durch die Berge vorbei an Lama, Ziege und Esel und Einheimischen saemtlicher Coleur.

Durch dichte Nebelwolken ging es ueber Serpentinen am Abrund entlang ins Tal. OK, fuer die Bilder waere es sicherlich besser gewesen, wenn wir klare Sicht gehabt hatten, aber wollten wir wirklich die potentiellen Absturzstellen sehen? Irgendwann haben wir aufgehoert, die kleinen Gedenksteine am Wegrand zu zaehlen. Wir wollten nicht wissen, wie viele junge turistische menschenleben hier beim fotografieren schon drauf gegangen sind oder waren es eher die rasenden Einheimischen, die sich nur mir Alkohol im Sangre wagen, diese Strecke hinunter bzw. hinauf zu fahren. Es gibt Fragen mit vielen Antworten ... Wir wollen die Wahrheit nicht wissen ...

Fahrerwechsel auf offender Strecke, Kotzende kleine Indigokinder, Sippentreffen im Bus ...

Durch (endlich) gruene Tabak- und Mais felder ab nach Salta.

Salta - die Stadt der 350 Touragencias

Nach dem Einchecken bei den Golden Girls mit einem Ehemann - drei betagte spanische Schwestern mit energischen auftreten und dezent blondiertem Haar -  ging es durch die Avenida de la Agencias de Turisme. Mit tausend Flyern bewaffnet und einer Variationsbreite an Tourangeboten entschieden wir uns fuer die beste Agentur mit den ausgefallendstes Angeboten. Schliesslich wollten wir in zwei Tagen ALLES sehen und dafuer NICHTS zahlen.

Zwischendurch war mal wieder Shopping auf dem "Mercado Artesanal" angesagt. Natuerlich bringen wir nur original tawaianisch ueber Bolivien importierte originial argentische Kunstunikate mit. Nein, es gibt hier wirklich eine Auswahl an Plagiaten oder sind es doch Originale oder Unikate oder wie heisst das nun? Wir haben keine Ahnung und kaufen einfach, was uns als "das gibt es nur in Argentinien!" verkauft wird. Lasst euch einfach ueberrschen! Fuer jeden ist was dabei!

Kulturprogramm am Abend! Wir besuchen eine fuer diese Gegend typische kulturelle Veranstaltung. PEÑA! Auf Deutsch: Laute Eckkneipe mit einheimischen Speisen untermalt  mit Schlagermusik auf Folkloretripp - Touristenfalle Nummer Eins! 10 Minuten und wir sind wieder draussen! Wir wollen schliesslich keinen Tinitus und auch nicht mit unattraktiven Pseudogauchos tanzen. Netterweise begleitete uns eine polonaesetanzende Tango-Touristen-Gruppe in Folkloretracht a la Gaucho bis zum Ausgang und um das Haus drumherum - "alrededor" sozusagen.

Gute Nacht ....