(Vorsicht! Dieser Beitrag kann Spuren von Ironie enthalten! Empfindlichen Menschen wird vom Konsum abgeraten.)



So hieß ein Spiel, mit dem wir uns als Kinder oft, mit Spaß, Lust und weniger Liebe, aber jede Menge Eifer beschäftigt haben.

Man benötigte ein Blatt Papier und einen funktionsfähigen Schreibstift. In der Titelzeile des Blattes notierte man die Rubriken: Stadt, Land, Fluß, Name, Beruf, Pflanze, Tier. Dabei sind die letzten vier austauschbar, z.B. gegen Sänger, Schauspieler oder was auch immer einem einfällt.

Ein Kind gab laut den Buchstaben "A" vor, um dann stumm weiter das Alphabet weiterzuführen, bis das nächste Kind im Kreis "Halt" rief. Der dann genannte Buchstabe war der Anfang für jeden Begriff, der unter den Rubriken so schnell wie möglich notiert werden musste. Das Kind, das als erstes alle Felder ausgefüllt hatte, rief "Stop". Dann ging es zur Auswertung. Wer als einziges Kind eine Bezeichnung gefunden hatte, bekam dafür 20 Punkte. Jede unterschiedliche Nennung brachte 10 Punkte, hatten zwei oder mehrere Spielende die gleiche Idee gehabt, gab es jeweils 5 Punkte.



Wenn ich heute ins Zeitschriftenregal z.B. einer Bahnhofsbuchhandlung schaue, möchte ich schon mal die zu verteilenden Punkte auf einen einzigen reduzieren.

Da gibt es seit einiger Zeit die "Land-"Zeitschriften: "Mein liebes ..." machte, glaub ich, mal den Anfang. Dann folgten "-Liebe", "-Lust", -"Idee", -"Frau" und "-Kind". Dafür, dass ich das restliche gefühlte Dutzend jetzt nicht nenne, bitte ich um Verständnis. Einen "-Mann" habe ich bislang nicht entdeckt, doch die Klientel tröstet sich ja vielleicht mit "Wild und Hund".

Wenn man diese Druckerzeugnisse nun locker durchblättert, sieht man sehr schöne Bilder, die geradezu romantische Gefühle aufkommen lassen, dazu die leise Überlegung, ob das Landleben nicht doch eine ernst zu nehmende Alternative zur Stadt ist. Die Stichworte sind: Natur, Pflanzen, Tiere, Ruhe, Entschleunigung, Entspannung, Beschaulichkeit, frische Luft, Gesundheit.

Man möchte tief durchatmen und sich ein Häuschen suchen.

Da nickt die verträumte Städterin.

Doch bevor sie sich nach einem Häuschen umsehen kann, muss sie erst einmal ein Auto organisieren, weil sie ihres aus Kosten- und Umweltgründen abgeschafft hat, zumal es in der Stadt das praktische Car-Sharing gibt, falls man doch mal ein Vehikel braucht.

Wenn man sich dann mal in der Idylle umsieht, ist zu bemerken, dass ein eigenes Auto wirklich praktisch ist. Denn zum Einkaufen geht es oft in die nächste Stadt. Zum Arzt auch. Zur Arbeit ebenfalls. Dann steht man genau in dem Stau, den man bis dahin auf die eine oder andere Art vermieden hat.

Ach ja: Von verhagelten Ernten oder Blauzungenkrankheit ist in diesen Zeitschriften auch nichts zu lesen.

Nein, die Schreiberin hat nichts gegen das Leben auf dem Land. Solange es für sie mindestens einen Bus oder einen Zug in die Stadt gibt, wenn das entspannende Wochenende vorbei ist.

Und heute gab es dann auch am Zeitschriftenregal 10 Punkte für die Wertung. Mitten im "Land-..." fand sich: "Stadtlust"!

Sollte nun wieder der Spaß an der Stadt geweckt werden oder hat man sich nur gescheut, der ganzen "Länderei" mit einer "Landflucht" einen neuen Aspekt zu geben?