Man hat mir beigebracht, dass man mit Büchern sorgsam umgehen soll. Man fasst sie nur mit sauberen Händen an, man malt nicht hinein, macht keine Eselsohren in die Ecken der Seiten und reißt schon gar keine Seiten heraus.

Wenn ich heute ein Buch sehe, das deutliche Nutzungsspuren zeigt wie Fettflecke, Unterstreichungen in allen Farben, fahrig mit der Hand oder akkurat mit dem Lineal gemacht, Notizen und Anmerkungen am Rand mit Bleistift oder - schlimmer - Kugelschreiber, Risse in den Seiten, notdürftig mit Klebestreifen geflickt, kommt mir das Buch vor wie ein Patient, der dringend Pflege braucht.

Doch jetzt auf der Buchmesse habe ich gesehen, dass ein Buch auch dadurch gewinnen kann, wenn man ihm mit Farbe, Applikationen der unterschiedlichsten Art, auch einem gezielten Schnitt und etwas Leim begegnet.

Die Buchkünstlerin Friederun Friederichs aus Herrenberg hat dies mit ihren "altered books" gezeigt. Sie nimmt ein fadengeheftetes Buch und verändert es. Sie färbt Seiten ein, klebt Bilder hinein, malt Bilder darauf oder setzt Stempel hinein. Sie entfernt Seitenränder, um Spitze oder Borte anzukleben, setzt Glanzpunkte auf andere Seiten und um den Buchrücken nicht zu sprengen, entfernt sie auch mal Seiten.

Auf diese Weise zaubert sie aus einer alten, ungeliebten "Schwarte" oder "Schmonzette" meines Erachtens wahre Kunstwerke. Man hält dann geradezu das bildhafte Gegenstück zu einer Gedichtsammlung in der Hand, bei dem jede Doppelseite auch für sich als Kunstwerk stehen kann.

Mehr über sie und ein weiteres ihrer Projekte erfährt man über die Seite "ReadingWoman.org", für "altered books" empfehle ich, einmal eine Suchmaschine zu bemühen.