Thierry SALOMON: Die Hämmerer (Satire über die Esperanto-Bewegung)
aus: "Der Planet der nackten Affen und andere Erzählungen", 2005, ISBN 963 218 213 8

LETZTE WOCHE HATTE ICH EINEN SELTSAMEN ALBTRAUM. Es war so, daß man weltweit zum Nägeleinschlagen Steine benutzte, weil man keine andere Methode kannte.

Dennoch hatte vor vielen Jahren jemand den Hammer erfunden. Aber nur wenige wußten davon. Diese wenigen, die diese Erfindung unterstützten, nannten sich die "Hämmerer". Sie organisierten sich in Vereinen und Verbänden. Sie trugen ein Abzeichen auf der Brust: einen kleinen Hammer. Leider stritten und diskutierten sie ständig über Nebensächlichkeiten, anstatt ihren Hammer in der Praxis zu benutzen und damit die anderen von dessen Nutzen zu überzeugen. Die ganze Zeit über sprachen sie unter sich darüber, wie gut ihre Hämmer sind, aber niemals benutzten sie sie für praktische Ziele im wahren Leben. Sogar nicht wenige brachten Änderungen an ihrem Hammer an, um ihn runder wie einen Stein werden zu lassen und dessen Aussehen zu erhalten.

Die größte Hämmerer-Verband war der Gesamtgalaktische Hammer-Verband, der die Zeitschrift "Hammer" herausgab. Einmal jährlich kamen unter dessen Organisation die wichtigsten Hämmerer in einer jeweils anderen Stadt auf der Welt zusammen. Dort versammelten sich die Leiter hinter einem langen Tisch, unter einer riesigen Flagge der Hämmerer mit einem großen Hammer in der linken oberen Ecke. Hämmerer aller Länder kamen auf das Podium und einer nach dem anderen grüßte die Anwesenden per großem Hammerschlag. Oft nahmen Tausende Hämmerer an dieser jährlichen Gesamtgalaktischen Großveranstaltung teil. Aber dessen Wirkung für die Verbreitung der Vorteile des Hämmerns in der Gesellschaft war beinahe Null, selbst wenn Zehntausende Personen teilgenommen hätten. Dennoch kostete sie die Hämmerer Geld für die Teilnahme sowie Energie. Ein großer Teil der Energie des Gesamtgalaktischen Hämmerer-Verbandes verpuffte für die Vorbereitung der Veranstaltung. Am Anfang der Geschichte des Hammers benutzten die ersten Pioniere ihn in der Praxis, aber später nutzten die Hämmerer ihre Zeit und finanziellen Mittel dazu, derartige Veranstaltungen zu organisieren oder daran teilzunehmen sowie verschiedene Zeitschriften über hammerbezogene Themen herauszugeben, es blieb weder Kraft noch Geld um dieses Werkzeug im wirklichen Leben einzusetzen. Darum konnte die Gesellschaft nicht sehen, wie gut ein Hammer funktioniert und ihrem Beispiel zu folgen. Die übrigen Menschen betrachteten die Hämmerer im Allgemeinen als Verrückte wohl wegen ihrer seltsamen Rituale. Ein häufiges Argument gegen den Hammer war, daß er künstlich geschaffen worden war im Gegensatz zu Steinen, die natürlich sind.

Wegen der Routine und des Unverständnisses isolierten sich die Hämmerer mehr und mehr von der Gesellschaft. Nachdem sie das ursprüngliche Ziel vergessen hatten, arbeiteten sie nicht mehr für den Gebrauch der Hämmer in der Aussenwelt. Anleitungen zum Hämmern waren oft nicht in normalen Läden, sondern nur an Plätzen in ihrer Hämmererstruktur erhältlich. Oft nannten sie den Hammer "unser Werkzeug", und vergassen dabei, daß er nicht ihnen gehörte, sondern für die gesamte Menschheit bestimmt war. Sie benutzten ihn nicht um Nägel einzuschlagen, sondern die Beschäftigung mit dem Hämmern wurde Selbstzweck. Viele von ihnen überlegten sich sogar, daß ein Hammer ein zu edles Werkzeug sei, um es durch einen praktischen Gebrauch zu verschmutzen. Eine Person, die diesen Riten folgte und sich mit derartigen Frivolitäten beschäftigte, wurde "guter Hämmerer" genannt. Falls jemand zu unterrichten versuchte oder Dienste anbieten wollte, die sich auf Vorteile des Hämmerns beriefen, wurde er "Seelenverkäufer" genannt. Und immer gab es einige, die ihren Hammer schnitzten und Verzierungen anbrachten, sodaß er dadurch unbrauchbar wurde.

Die Hämmerer dachten, daß sie eine Gemeinschaft bilden. Sie nannten diese sogar Hammerland. Dieses virtuelle "Land" hatte außer der schon erwähnten Flagge auch eine Hymne, dessen Refrain war

Lebe der Hammer
lebe der Hammer
lebe der heil'ge Hammer
 
Schweißgebadet erwachte ich. Erleichtert wurde mir bewußt, daß das nur ein Albtraum gewesen war. Der Wecker zeigte schon 8 Uhr. Also bereitete ich mich schnell darauf vor, an der Samstagsrunde des Esperanto-Vereins teilzunehmen...

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