Wie ja nun jeder hier mittlerweile wissen dürfte, haben wir (unter anderem ...) zwei Hunde. GROSSE Hunde. Einer lebhafter als der andere. Der andere verfressener als der eine. Beide verspielt wie sonst was. Und wenn einer dann nur noch in der Ecke liegt und nichts mehr will ...

Noch gestern morgen machte ich zum Gassigehen die Haustür auf und Nicky schoss raus - man sah nur noch einen Kondensstreifen durch den Vorgarten sausen -, mähte als Erstes in ihrer Freude wild wedelnd und kläffend die Nachbarin um, plünderte danach den Leckerchenbeutel ... Wie man sie halt kennt, morgens um 7 in Neviges.

Nachmittags wollte ich dann mit ihr eine große Runde drehen (u.a. zum Erdbeerfeld ums Eck, mmmmh!). Völlig entgegen ihrer Gewohnheiten war sie nicht wirklich begeistert, als ich das Halsband in die Hand nahm, spuckte mir die Leckerchen wieder vor die Füße, schlich draußen hinter mir her und innerhalb einer Viertelstunde hatte sie 4 x gesch....ssen. Dann wollte sie nur noch nach Hause.

O.k., dachte ich mir, hat sie sich halt den Magen verrenkt - kein Wunder, bei dem, was sie unterwegs wahrscheinlich alles so futtert, wenn ich grad nicht hinter ihr her ins Gebüsch krieche. Nicht von ungefähr hat sie auf ihrem Geschirr "Biotonne" stehen! Wahrscheinlich, dachte ich, kotzt sie gleich auf ihre Lieblingsstelle hinterm Sofa und dann ist sie wieder die Alte. - Weit gefehlt. Nachdem ich sie mit einem homöopathischen Mittel behandelt hatte, ging es ihr für eine Stunde wieder besser, sie nahm auch wieder ein Leckerchen an - und dann ging's wieder bergab. Keine Lust auf Leckerchen, seltsame gärende Geräusche im Gedärm, Rülpser mit einem unsäglich ekelhaften Aroma, aber gottseidank kein Fieber. Und sie hatte immer noch nicht gekotzt. Stattdessen lag sie matt in der Gegend, hechelte wie nach einem 4-Stunden-Marathon und hatte einen brettharten, aufgeblähten Bauch.

Nun gut, also auf zum Tierarzt-Test im neuen Zuhause! Bei Durchsicht der Gelben Seiten hatten wir uns neulich schon für einen entschieden - weil er mit Nachnamen genauso heißt wie wir. Gut, das sollte jetzt nicht unbedingt ein medizinisches Auswahlkriterium sein, aber offensichtlich steht dieser Name wirklich für Qualität (räusper ...), wie sich im Verlauf des Abends zeigte. Der Doc untersuchte Nicky, machte ein ähnlich ratlos-besorgtes Gesicht wie ich und schickte uns erstmal sicherheitshalber zum Röntgen. Und das Foto verhieß nichts Gutes: am Magenende lag ein großes, rundes Gebilde im Bauchraum herum, das da definitiv nicht hingehörte. Das große Rätselraten: im günstigsten Fall ein Lipom (schließlich ist Nicky auch schon mindestens 11 Jahre alt, da werden solche Sachen langsam normal), im schlimmsten Fall ein Tumor.

Auf jeden Fall war irgendetwas in Nickys Innereien gar nicht in Ordnung und wir hatten große Sorge, dass dieses Ding, was auch immer es ist, in der nächsten Zeit platzt und der Hund an inneren Verblutungen stirbt. Ergo: Narkose und sofort den Hund aufmachen. Während die Narkose also in Nickys Venen tröpfelte, noch rasch den Göttergatten angerufen, der unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln innerhalb von 10 Minuten in der Praxis war (normalerweise braucht man eine knappe halbe Stunde ...). Da war der Doc aber schon dabei, Nicky wieder zuzunähen.

Denn als er sie offen und die Innereien sortiert hatte, stellte sich heraus, dass dieses Gebilde vom Röntgenfoto kein Tumor o.ä. war, sondern die Milz, die sich - im wahrsten Sinne des Wortes - "auf links gedreht" hatte, mitsamt dem kompletten Magen, die Leber war auch schon nicht mehr da, wo sie eigentlich hingehört, sprich: Nicky war kurz vor einer kompletten Magendrehung. Noch ein paar Stunden länger ohne OP, und wir hätten unseren Hund im Wäldchen begraben können ... Mann, was war ich erleichtert!! Da machte es mir dann auch nichts aus, als der Doc während der OP mal versuchsweise auf ihren Magen drückte und Nicky mir prompt in einer Riesenfontäne ihren kompletten, gut durchgegärten Mageninhalt auf die Füße kotzte ...

Sie hat dann noch eine schicke Bikini-Naht verpasst bekommen - der Doc meinte, es wäre schließlich Sommer und bei ihrer guten Figur würde sie doch bestimmt einen Stringtanga tragen wollen - und dann konnten wir sie mitsamt Luftpolstertragematte und vollgekotztem OP-Laken nach Hause verfrachten. Wo sich in Windeseile der Rest unseres Zoos um sie versammelte und Krankenwache hielt. Der Göttergatte hat die Nacht neben ihr auf dem Sofa verbracht und gegen 3 / halb 4 heute morgen war sie wieder ganz wach. Noch ist sie etwas wackelig auf den Beinen, will auch noch nichts fressen, hat offensichtlich Wundschmerzen - aber sie LEBT!! Wen interessieren da schon ruinierte Schuhe, ein vollgepieseltes Wohnzimmer und eine horrende Tierarztrechnung?

Und nun liegt Nicky ihren Narkoserausch ausschlafend auf ihrem Kissen, das OP-Laken ist in der Waschmaschine und gleich fahren wir zum Doc zur Nachkontrolle.

Nochmal Schwein gehabt ...