Ich weiß ja nicht, WO genau das Wasser zurückwich, aber ganz bestimmt nicht an diesem Tag in Dublin: es regnete und regnete und regnete, dass einem schon vom Zuschauen Schwimmhäute zwischen den Zehen wuchsen. Oder wie der gestrige Busfahrer es so treffend ausdrückte: „It’s official summertime – irish style.“

An diesem Morgen sah ich, dass Präsident Obama sich für gleichgeschlechtliche Ehen aussprach, wie es bei englischen Messies im Wohnzimmer aussieht und dass das irische Wetter sehr nass und sehr kalt werden würde. Vielleicht sogar garniert mit dem einen oder anderen Gewitter. Das wiederum harmonierte bestens mit meiner Laune, denn mein Geister-Fernseher meldete sich heute schon um 20 vor 5 (!!!). Gegen 7 hätte ich wieder einschlafen können, dem Irish Breakfast Tea zum Trotz, aber ich war ja um 8 mit Frau K. verabredet. An diesem besonderen Tag wollte ich mich ganz bestimmt nicht verspäten: Frau K. hatte Geburtstag!! Zum Glück hatte ich ein kofferkompatibles Geschenk gefunden, das selbst ihr Gepäckgewicht nicht über die zulässigen 20 kg bringen würde. Nach dem Überreichen des Geschenks und ausgiebigem Gratulieren ging es hinunter, Frühstück fassen. Heute reichte schon auf der Treppe der uns entgegen wehende Geruch des Bratfetts, um meinen Magen einen Salto schlagen zu lassen. Aber tapfer, wie ich bin, überstand ich auch ein zweites Irish Breakfast, ohne größeren Schaden zu nehmen. Fürs nächste Mal suche ich mir jedoch ein Hotel, das ausdrücklich „Continental Breakfast“ anbietet!

Nach dem Frühstück wollte all der seit 5 Uhr gepichelte Irish Breakfast Tea wieder aus mir raus, so dass ich das Damenklo gleich neben dem Frühstücksraum aufsuchte. Ich wusste ja, dass Irland das Land der Zwerge und Kobolde ist, aber dass der Toiletten-Architekt SO zwergenaffin ist, hätte ich nicht zu träumen gewagt: man betrat den Toilettenraum, sah einen geräumigen Vorraum mit zwei Waschbecken, bestimmt über 2,50 m breit, links daran anschließend zwei Toilettenkabinen. Was man nicht sah, war, dass die rückwärtige Wand hinter den Toilettenkabinen nur gefühlte 30 cm entfernt war. Im Ernst: auf dem Klo sitzen konnte man fast nur im Spagat und selbst Stehpinkler hätten mit dem Hintern ein Loch in die Tür gedrückt. Notgedrungen habe ich darauf vertraut, dass ich die einzige mit voller Blase war und die Tür einen Spalt offen gelassen, damit die Knie noch Platz hatten … Glücklicherweise ist die Rechnung aufgegangen!

Nach diesem Abenteuer packten wir unsere Siebensachen zusammen und parkten die Koffer bei der Rezeption, um sie nachmittags für die Heimreise dort wieder einzusammeln.

"Say cheeeeeese!" Dann ging’s wieder los, die O’Connell Street runter, vorbei am Zahnärztehaus „Smiles Dental“ ...





Hmmm ... ... das praktischerweise gleich neben einem Bonbonladen liegt. Frau K. wollte an diesem Tag gern in die Docklands, dem alten Hafenviertel an der Liffey. Da es wie aus Eimern regnete und es bis zur Straßenbahnhaltestelle doch ein ganzes Stück zu laufen war, fragten wir einen Busfahrer, ob es einen Bus bis zur Straßenbahn runter gäbe. Seine Antwort: „Das Stück könnt Ihr auch laufen!“ – Sprach’s, schloss die Tür und brauste davon. Ohne Worte … Also latschten wir die Viertelstunde (bei dem Dauerregen gefühlte 40 Minuten!) bis zur Straßenbahn und machten uns auf gen Osten.

Docklands Als das Hafenbecken und die Lagerräume für moderne Handelsschiffe zu klein wurden, verkam das alte Hafenviertel mehr und mehr – bis die Schickeria das Wohnen und Arbeiten direkt am Wasser für sich entdeckte und aus den alten Docklands ein Spielplatz für internationale Architekten wurde. Nennt mich architekturfeindlich, aber ganz ehrlich: ich kann einer Reihe von aneinandergeklebten Bürotürmen, die sich lediglich durch die Farbe ihrer Glasfassade unterscheiden und die wenigen verbliebenen Lagerhäuser dazwischen zu erdrücken drohen, nix abgewinnen.

Samuel Beckett Bridge Allein die Samuel Beckett Bridge hat mich fasziniert: die Schrägseilbrücke spannt sich asymmetrisch über die Liffey und ist auf einem einzigen, drehbaren Fundament gelagert, damit auch größere Schiffe weiterhin die Liffey befahren können.





Kein Kommentar ... Alldieweil wurde der Regen immer stärker, so dass ich den Regenschutz für meine Kameratasche auspacken und montieren musste – was Frau K. natürlich dazu veranlasste, mich in voller Polar-Montur abzulichten. Nur die Tatsache, dass es ihr Geburtstag war, hat sie vor Racheakten meinerseits bewahrt!






"Hungerschiff" Ein Stückchen liffeyaufwärts liegt an der Sean O’Casey Bridge der Dreimaster „Jeanie Johnston“, der Nachbau eines „Hungerschiffs“, der an die fürchterliche irische Hungersnot in den 1840er Jahren erinnern soll. Millionen von Iren starben oder wanderten mit solchen Schiffen aus.


Nach Auswandern war mir mittlerweile auch, vorzugsweise in die sonnige Karibik! Wir schafften es jedoch nur bis ins nächste geöffnete Cafe (mit den kuriosen Öffnungszeiten in Dublin bin ich in den ganzen drei Tagen nicht klargekommen!), das uns freundlichst Regenasyl gewährte und mit richtig gutem Kaffee verwöhnte. Dann ging’s wieder raus ins Geplätscher und mit der Straßenbahn zurück in die Stadt. Frau K. musste dringend noch Mitbringsel besorgen, also wurde wieder die Henry Street angesteuert, der nächste Marks & Spencer war der unsere und Frau K.s Taschen nachher gut gefüllt. Für mich gab’s auch ein Mitbringsel, allerdings für mich selbst: ein Taschenschirm, über und über bedruckt mit irischen Schäfchen. Sehr niedlich und vor allem nützlich.

Im Gegensatz zu unseren Taschen waren unsere Mägen alles andere als gut gefüllt (Mittag war schon längst vorbei!), aber das Kaufhaus „Debenham“ hat ein prima Selbstbedienungs-Restaurant, in dem wir endlich das fanden, was wir schon zwei Tage vorher gesucht hatten: indisches Essen! Eines der Currys war dermaßen authentisch-scharf, dass ich es partout nicht aufessen konnte; kein Wunder, dass der indisch/pakistanisch aussehende Herr vor mir in der Schlange dort so reichlich genommen hatte!

Dublins Dächer Nach dem Essen verzogen wir uns mit einer Tasse Kaffee auf den überdachten Balkon mit einer Brüstung aus Glas ...







... von dem aus man einen prima Blick über die Dächer von Dublin hat.






Post fürs Geburtstagskind :-) Wobei Frau K.s Blick eher an ihrem Handy klebte, um all die Gratulations-SMS zu lesen. ;-)









Gibt's da was zu holen?







Die essen doch was?!









Los jetzt!! Übrigens haben wir immer wieder festgestellt, dass es in Dublin erstaunlich wenige Tauben gibt, hier haben eher die Möwen das Sagen (das Meer ist ja auch nicht weit weg). Eine von diesen Emmas versuchte, von den Balkongästen etwas zu ergattern – leider erfolglos. Aber für ein paar nette Fotos hat sie brav still gehalten.




Mittlerweile war die Zeit derart vorgerückt, dass wir uns wieder aufmachten in Richtung Hotel, um unsere Koffer einzusammeln. Vor der Busfahrt zum Flughafen wollte auch Frau K. nochmal kurz aufs Klo – und musste sich auf eben jenes Örtchen begeben, mit dem ich schon etliche Stunden zuvor das Vergnügen gehabt hatte. Morgens wollte sie mir meine Erzählung nicht so recht glauben, aber der fassungslose Blick, mit dem sie die Treppe wieder hochkam, war wirklich Eintritt wert.

Der Bus brachte uns wohlbehalten zum Flughafen zurück und wir waren froh, heute endlich einmal im Trockenen durch die Stadt zu kommen. Beim Check-In stellte die Waage fest, dass sich mein Gepäck auf 11,2 kg vermehrt hatte und Frau K.s auf – genau 19,9 kg (bei erlaubten 20 kg)! Die Dame am Schalter kriegte Kulleraugen und meinte nur: „Perfect packing!“ – Nee: perfect shopping, Respekt, Frau K.!

Der Heimflug war recht unspektakulär, wobei wir viel schneller als erwartet unterwegs waren. Vermutlich hatte der Pilot die Wettervorhersage beherzigt und gewaltig Gas gegeben, denn wir waren kaum in Düsseldorf gelandet, da zog ein formidables Gewitter über uns hinweg. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es sich inmitten von Gewitterwolken angefühlt hätte …

Der Göttergatte holte uns auf Zuruf ab, hob sich fast noch einen Bruch an Frau K.s Gepäck (ihr 19,9-kg-Geheimnis war nämlich, dass sie all die schweren Mitbringsel ins Handgepäck getan hat!) – und schon war’s wieder vorbei mit dem schönen Urlaub.

Warum nur fühlen sich drei Tage Arbeit so endlos an und die gleiche Zeit Urlaub wie höchstens fünf Minuten??