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Wie ja einige von Euch wissen, drücke ich zurzeit mal wieder die Schulbank: Das Arbeitslosenamt hat mich in eine sog. „kaufmännische Qualifizierung“ verfrachtet, eine Schule, in der man (eigentlich ...) viele nützliche Sachen lernen kann, und wenn’s „nur“ das ganze Office-Paket und ein bisschen Englisch ist. Wenn denn nicht dauernd Unterricht ausfallen würde, man nicht dauernd – weil neue TeilnehmerInnen dazu kommen – wieder bei Adam und Eva anfangen würde (spätestens alle 4 Wochen), wenn nicht dauernd die Lehrer wechseln würden (und man aus diesem Grund auch wieder bei Adam und Eva anfängt ...) – aber das ist ein anderes Thema.
In ca. 3-monatigem Rhythmus führt diese Schule Befragungen durch, anonym, in denen man LehrerInnen bewerten und auch sonst alles loswerden kann/soll, was einem gefällt oder eben auch nicht.
Bisher kriegten wir einen dicken Stapel Papier und mussten ankreuzen und ausfüllen. Ohne Namen drauf selbstverständlich. Dass die Verantwortlichen sich abends hinsetzen und Schriftvergleiche anstellen, ist bei ca. 200 SchülerInnen auch eher unwahrscheinlich. Die Auswertung dieser Fragebögen geht letztlich ans Arbeitsamt, um die Qualität dieser „zertifizierten Einrichtung“ zu prüfen. Eigentlich keine schlechte Sache.
Letzte Woche Freitag nun stürmte eine Lehrerin in unser Klassenzimmer, ca. 15 Minuten vor Feierabend, und verkündete, die übliche Befragung stünde mal wieder an, dieses Mal allerdings in elektronischer Form: Den Fragebogen fänden wir als Excel-Tabelle im Rechner unter dem Namen „Befragung“, sollten diesen bitte am Bildschirm ausfüllen und als „BefragungXYZ“ (oder wie auch immer) in einem bestimmten Ordner abspeichern. Und da das jetzt ja alles elektronisch liefe, wäre die Anonymität ja so was von gesichert, es wären ja nicht mal mehr Schriftproben (die sie ja eh nie gemacht hätten ...) möglich.
Zunächst einmal war auffällig – wie immer –, dass diese Ankündigung auf den letzten Drücker kam. Auf Nachfrage meinte Frau Lehrerin, dass dies deshalb geschehe, damit uns nicht zu viel Unterrichtszeit verloren ginge. (Nee, is klar: Wir hatten gerade mal wieder „stilles Beschäftigen“, dort „Praxis-Stunden“ genannt – da geht uns auch unglaublich viel Zeit beim Nasebohren und aus-dem-Fenster-starren verloren!)
Nach drölfzig Unterrichtsstunden zum Thema „Datenschutz“ und noch mal so vielen zum Thema „EDV“ kam ich auf den dummen Gedanken, mir den „Befragung fertig“-Ordner mal genauer anzusehen. Tatsächlich lagen da schon einige fertige Dateien rum – komisch nur, dass die angeblich anonym sein sollten, beim Klick auf „Eigenschaften“ jedoch der/die VerfasserIn (mit vollem Namen) angezeigt wurde. Spaßeshalber habe ich eine Datei mal aufgemacht – ich hätte alles, aber auch ALLES, überschreiben und ändern können.
Da ich nun mal leider unter verbaler Inkontinenz leide, platzte mir lautstark der Kragen, eine wilde Diskussion ging los im Klassenzimmer, der Aufsicht führende Aushilfs-Junglehrer ging schließlich verwirrt die Frau Lehrerin holen, weil ich mich weigerte, unter diesen Voraussetzungen das Ding überhaupt auszufüllen, geschweige denn irgendwo abzuspeichern.
Frau Lehrerin kam, ich erklärte ihr mein Problem – und kriegte sofort eins auf den Deckel: Ich solle mich nicht so anstellen, das wäre doch völlig unangemessen, alle Dateien würden direkt am selben Nachmittag digitalisiert und anonymisiert, ich solle mal nicht so einen Aufstand machen. Auf meine Bitte, dass ich diese Vorgehensweise zur Anonymisierung gerne schriftlich hätte, gingen auch mit Frau Lehrerin die Pferde durch – gekriegt habe ich diesen Zettel nicht, dafür musste ich dann einen schreiben, aus welchen Gründen und dass ich an dieser Befragung nicht teilnehme. Den konnte sie GERNE kriegen!!
Erschreckt hat mich an der ganzen Geschichte vor allem – neben dem unsäglichen Vorgang selbst –, dass meine lieben MitschülerInnen zwar ausnahmslos meiner Meinung waren – die Befragung jedoch trotzdem ausfüllten und abspeicherten. MIT ihrem Namen in den „Eigenschaften“ drauf! Ich bin jetzt noch fassungslos ...

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