Ich fuhr also nach Kpalimé, um das Tal der Fledermäuse zu besuchen. Der Guide meinte in der Region gäbe es ebenfalls noch den höchsten Wasserfall Togos (War wohl doch ehr in Ghana ...) in dem man toll baden könne. Das wäre doch was, da es heute sehr heiß ist. Auf dem Rückweg würden wir am Fledermaustal vorbeikommen. Im Übrigen gäbe es dort auch viele Fledermäuse, an denen man sehr nahe vorbeikäme. Also gut.

Es solle ca. 45 Minuten mit dem Auto durch den Urwald und die Hügel gehen, dann ca. 5 km wandern bis zum Wasserfall. Dies dauere ca. noch eine Stunde. Ich hatte ja genug Zeit, also warum nicht?

Was er mir nicht sagte war, dass es ca. 5 km abwärts (Parkplatz auf 807 m und der Fuß des Wasserfalls auf 303m) ging. Darauf war ich nicht im geringsten vorbereitet. Weder physisch noch was die Ausrüstung, Kleidung, Wasser, Essen, etc. anging. Außerdem war es 38°C. Die ersten paar Kilometer gingen leicht aber stetig durch dem Wald herunter. Da konnte man nicht viel von dem Tal, welches ganz unten lag sehen. Ich dachte, es wird schon wieder heraufgehen. Nach einer halben Stunde kamen wir am Rand des Tales (oben) an.

Dann ging es erst richtig los: die letzten 250 Höhenmeter gingen an einer Steilwand über eine Bergziegenpfad herunter. Maximal war dieser ca. 50cm breit und mit Geröll, Stöckchen und trockenen Blättern übersät. Unter 45° Gefälle war da nichts. Links die Steilwand nach oben. Rechts ein paar Büsche am Hang und dann gleich 250m Abhang nach unten! Schon auf der Hälfte der Strecke merkte ich, daß die Knie anfingen zu zittern. Die ständige Belastung auf dem losen Untergrund zeigte schon ihre Wirkung. Zur Strafe bekam der Guide erst mal meinen Fotorucksack! >;-)

Mir war hier eigentlich schon klar: Da kommst du nie wieder rauf! Beim Abstieg musste man aufpassen das einem an der einen oder anderen Stelle wegen der Höhe und dem Abgrund nicht schwindelig wurde. Später, beim Aufstieg war das aber keine Problem mehr. Schwindelig wurde einem durch die Hitze und die völlige körperliche Überlastung. So etwas ist mir noch nie im Leben passiert.

Beim Aufstieg und meiner 2. mehrminütigen Pause auf halber Steilstrecke meinte der Guide: Sie sind eine guter Wanderer! Ich entgegnete ihm, dass das wohl kaum sein Ernst sei. Er sagte daraufhin grinsend: Die anderen haben an dieser Stelle schon mindestens 4 halbstündige Pausen hinter sich! Wäre ich mehr bei Kräften gewesen, hätte ich ihn versohlt! ;-)

Ich brauchte noch eine weiter Stunde und zwei weitere Pausen, die immer länger wurden, bergauf bis zum rettenden Auto mit dem eiskalten Wasser ...

Von der ghanaischen Seite aus führt übrigens ein beschilderter breiter und bequemer Wanderweg von der klimatisierten 4 Sterne Lodge nach ca. 800m ebenen Marsches zum selben Ort. Dummerweise stand meinAuto aber 500m höher oben in Togo ...

Der Wasserfall mit ca. 114 Metern und das Tal, wie aus "Jurassic Park" ist aber trotz der unmöglichen und gefährlichen Wanderung wirklich grandios. Leider war ich viel zu müde um gute Fotos zu machen.

Auf diese "Expedition" muss man gut vorbereitet sein. Dies ist meiner Meinung nur mit den folgenden Vorgaben möglich: Erst einmal sollte man genau wissen worauf man sich das einlässt. Aufgrund der Schwindelgefahr sollte man aus psychologischen Gründen nicht unter 20 und aus physischen Gründen nicht über 40 sein. Man muss dafür wirklich eine gute Kondition haben und nicht nur vorgeben. Es ist weniger die Muskelkraft sondern die Ausdauer bei voller Sonne und 38°C einen Berg hochklettern zu können. Am besten ist man "Ironman" Leichtes Schuhwerk, (und keine schweren Bergstiefel, wie ich), atmungsaktive Sportkleidung, sowie viel Wasser, bzw. isotonische Getränke und genug zu Essen (Banane, Energieriegel, etc) für die Pause unten vor dem Aufstieg. Ich hatte nicht einmal richtig gefrühstückt!

Ich muß dir sagen, das war eine Nummer zu groß für mich und dabei halte ich mich für zumindest einigermaßen fit! Ich denke ich sollte mit dem Rauchen aufhören, einen Wüstenmarathon ablegen und es dem Guide dann mal so richtig zeigen! (oder auch nicht...)

Wenigstens habe ich dann doch noch meine Feldermäuse gesehen. Aber nicht mehr in dem Tal, wo ich ursprünglich hin wollte. Ich war froh, dass ich noch ins Auto klettern und die Automatik so gerade einlegen konnte ...