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Woher ich komme - eine Geschichte
In einem kleinen Land lebte ein weiser Mann und in einem großen Land lebte eine weise Frau. Beide lebten getrennt voneinander, waren aber tief in ihren Herzen auf eine wundersame Art miteinander verbunden. Sie hatten ein Wissen eigener Art, kein Schulwissen. Sie wussten nämlich, woher sie kamen, wohin sie gingen und vor allem wussten sie, warum und wozu sie lebten.
In dem kleinen Land lebten ebenso Jan und Janina. Beide waren sich sehr zugetan, sie liebten einander sehr. Häufig sagten sie sich: Wie schön ist es, dass wir uns kennen und dass wir uns gefunden haben. Aber woher kommt unsere Liebe, woher kommt unser Leben und all das Schöne um uns herum?
Und sie fragten diesen und sie fragten jenen nach einer Antwort. Doch keiner gab ihnen eine zufriedenstellende Antwort: »Wir wissen es auch nicht. Aber warum wollt ihr es so genau wissen? Lebt doch einfach so!« Darüber wurden die beiden traurig. Zur Entschuldigung ihrer Freunde sagten sie: Sie sind noch jung, deswegen interessiert sie das vielleicht nicht. So blieb ihre Sehnsucht nach dem Woher ihrer Liebe erhalten und wuchs immer mehr.
Diese ihre Sehnsucht gelangte an den weisen Mann, und er beschloss, ihnen zu helfen. Denn er lebte - nicht zufällig, sondern aufgrund eines weisen Beschlusses – ganz in der Nähe des jungen Paares. So machte sich der weise Mann eines Tages auf einen kleinen Spaziergang. Nach einer Weile setzte er sich auf eine Bank, nahm sein Brot und sein Getränk, und stärkte und erfrischte sich damit.
Zur gleichen Zeit machten sich Jan und Janina, die sich so sehr liebten und die so gern mehr über ihr Leben und über die Welt gewusst hätten, ebenfalls auf einen morgendlichen Spaziergang. Nach einer Weile kamen sie an die Stelle, wo der Mann saß und ein kleines Nickerchen hielt. Sie wollten ihn nicht stören und beschlossen gerade weiterzugehen, als der Mann die Augen öffnete, sie anblinzelte, sie anlächelte, eine leichte Handbewegung machte und sie zum Sitzen einlud.
«Ihr stört mich nicht, im Gegenteil, ich habe auf Euch gewartet,» sagte er. Darüber waren die beiden sehr erstaunt. Aber sie fassten Zutrauen zu dem freundlichen Mann und ließen sich neben ihm nieder.
Schweigend packten sie ihre Brote aus und aßen davon. Dann öffnete Janina eine Cola, und sie tranken davon. «Na,» sagte der Mann, der ihnen schweigend zugesehen hatte, «eine Cola ist ja nicht gerade das gesündeste Getränk.»«Da haben Sie recht,» antwortete die junge Frau, «aber man isst und trinkt ja nicht immer unbedingt das Gesündeste.» Und sie seufzte ein wenig.
Der weise Mann hatte die beiden schon längst in sein Herz geschlossen, und er war richtig froh, dass sie an seiner Seite saßen.
Er schaute sie voller Liebe an und doch war sein Blick auch nach innen gewendet. Längst vergangene Zeiten erwachten zu neuem Leben. Und während er sprach, erwuchsen sie in ihm zu ungewohnt erfrischender Klarheit und Lebendigkeit.
«Ja,» so hob er an und sprach, «Ihr habt Euch gewundert, dass ich vorhin sagte, ich habe Euch erwartet. Aber Eure Sehnsucht ist zu mir gedrungen; also habe ich mich aufgemacht und hier auf Euch gewartet. Ihr wollt wissen, woher Euer Leben, woher Eure Liebe und woher die Welt um Euch kommen. Ich will es Euch erzählen. Denn ich weiß, dass es Euch wirklich interessiert. Ich möchte es Euch in einer Geschichte erzählen, so erzählt es sich leichter.
In einer für Euch sehr fernen Zeit lebten viele Frauen und Männer in unermesslich großen und schönen Welten. Ihnen fehlte es an nichts. Sie waren glücklich. Aber es war nicht so wie ihr denkt, dass sie in den Tag hineinlebten. Sie hatten den Wunsch, ihre Welten noch schöner und vielgestaltiger zu machen. Und so entstanden Welten um Welten.
Eines Tages sagte sich ein Paar: «Wir möchten Kinder haben und ihnen eine von unseren vielen Welten geben. Darauf sollen sie glücklich sein – wie wir - und sie ebenso schön gestalten – wie wir.» Und so geschah es.
Sie bekamen Kinder und schenkten ihnen diese Welt. Ihre Töchter und Söhne waren glücklich und freuten sich sehr über dieses Geschenk. Voller Freude erzählten sie den Eltern von ihren Taten und Erfolgen und breiteten sich auf dieser Welt aus. Sie wurden stärker und stärker, erkannten nach und nach deren Geheimnisse und wurden sich so ihrer Kraft bewusst. Das dauerte eine sehr sehr lange Zeit, für Euch eine unvorstellbar lange Zeit.
Diese Wesen waren ebenfalls sehr experimentierfreudig und kreativ. Wie ihre Eltern hatten sie die Gabe und fanden ihre Freude daran, neue Welten zu erschaffen. Und dann fassten sie den Entschluss, wiederum eine Welt zu erschaffen. Und so erschufen sie voller Lust und Tatendrang Eure Welt, in der ihr lebt:
Hell und Dunkel in Tag und Nacht,
Hoch und Tief in Berg und Tal,
Heiß und Kalt in Feuer und Eis,
Trocken und Nass in Land und Meer,
Pflanze und Tier, Vogel und Fisch,
Mann und Frau
Sie sahen Eure Erde an und fanden sie schön, stark und gesund»
Eine Weile war es still. Dann brach der weise Mann das Schweigen und sagte: «Ich habe Euch in groben Zügen Euren Ursprung geschildert. Ihr wisst nun, woher Eure Welt, Euer Leben und Eure Liebe kommen.»
Aufmerksam und mit wachsendem Erstaunen hatten die beiden dem Mann zugehört. In ihrem Inneren breitete sich eine große Ruhe aus. «Wir danken Ihnen für diese neuen und unerwarteten Erkenntnisse. Das müssen wir erst einmal verarbeiten.» Und etwas zögernd fügten sie hinzu: «Können auch wir mit diesen Wesen in Verbindung treten?»
«Aber sicher» antwortete der weise Mann bedächtig, «Was meint ihr, woher ich mein Wissen habe? Jeder Mensch hat seine inneren Sinne. Mit dem inneren Ohr könnt ihr diese Wesen hören. Die Frage ist nur, ob ihr ihnen zuhören wollt. Aber darüber können wir uns ein andermal unterhalten.»
Er lächelte Jan und Janina an und sah ihnen nach, bis sie in einer Wegbiegung seinen Augen entschwanden.
Dann stand er auf, und auch er war erleichtert, denn zum ersten Mal hatte er den Ursprung dieser Welt Menschen in dieser Zeit so erklärt.
Und tief in seinem Innern fühlte er das Lächeln jener weisen Frau, mit der er immer aufs Innigste verbunden war, auch wenn er in diesem kleinen Lande, und sie in jenem weit entfernten großen lebte...
Albert Jäger
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Arne Jäger.
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*Kurt & Mary* pro says:
Ganz liebe Grüße von uns
Elbertinum pro says:
Elbertinum edited this comment 7 months ago.
Manfredo says:
Beide sind wunderbar!
Elbertinum pro replies:
Elbertinum edited this comment 7 months ago.
Anne Seltmann pro says:
Ganz großes Kompliment an dieser Stelle von mir für dich!
Elbertinum pro replies:
lilamo pro says:
einfach nur dadurch, zu wissen, dass es andere Menschen gibt, die ähnlich empfinden...! Danke!
Elbertinum pro replies:
alain says:
Elbertinum pro says:
Diedjé says:
Du hast eine schöne Geschichte geschrieben. Die Bilder passen auch gut dazu, sie sind sehr harmonisch. Den Inhalt der Geschichte werde ich auf mich wirken lassen müssen.
Hildegard Rasch says:
Geschrebrienes mit viel Inhalt . Vielleich schaust du mal bei mir nach, was ich so an Photos habe , auch zwei Gruppen, einen Blog wo ich über das Austerben mancher Spezies schreibe,
werde im Blog aber in Zukubft in beiden Sprachen schreiben, Deutsch und Spanisch
viele herzliche Grüsse aus Chile
Hildegard Rasch says:
Hildegard Rasch says:
Elbertinum pro replies: