Elbertinum Published on November 30, 2008
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Woher ich komme - eine Geschichte - [de] [eo] [en] [fr] [es] [it] [hu]

Sunday November 30, 2008 at 06:18PM

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Woher ich komme - eine Geschichte

In einem kleinen Land lebt ein weiser Mann und in einem großen Land lebt eine weise Frau. Beide leben getrennt voneinander, sind aber tief in ihren Herzen auf eine wundersame Art miteinander verbunden. Sie haben ein Wissen eigener Art, kein Schulwissen. Sie wissen nämlich, woher sie kommen, wohin sie gehen und vor allem wissen sie, warum und wozu sie leben.

In dem kleinen Land leben ebenso Jan und Janina. Beide sind sich sehr zugetan, sie lieben einander sehr. Häufig sagen sie sich: Wie schön ist es, dass wir uns kennen und dass wir uns gefunden haben. Aber woher kommt unsere Liebe, woher kommt unser Leben und all das Schöne um uns herum?


Und sie fragen diesen und sie fragen jenen nach einer Antwort. Doch keiner gibt ihnen eine zufriedenstellende Antwort: »Wir wissen es auch nicht. Aber warum wollt ihr es so genau wissen? Lebt doch einfach so!« Darüber sind die beiden sehr traurig. Zur Entschuldigung ihrer Freunde sagen sie: Sie sind noch jung, deswegen interessiert sie das vielleicht nicht.Und so bleibt ihre Sehnsucht nach dem Woher ihrer Liebe erhalten und wächst immer mehr.

Diese ihre Sehnsucht gelangt an den weisen Mann, und er beschließt, ihnen zu helfen. Denn er lebt - nicht zufällig, sondern aufgrund eines weisen Beschlusses – ganz in der Nähe des jungen Paares. So macht sich der weise Mann eines Tages auf einen kleinen Spaziergang. Nach einer Weile setzt er sich auf eine Bank, nimmt sein Brot und sein Getränk, und stärkt und erfrischt sich damit.

Zur gleichen Zeit machen sich Jan und Janina, die sich so sehr lieben und die so gern mehr über ihr Leben und über die Welt gewusst hätten, ebenfalls auf einen morgendlichen Spaziergang. Nach einer Weile kommen sie an die Stelle, wo der Mann sitzt und ein kleines Nickerchen hält. Sie wollen ihn nicht stören und beschließen gerade weiterzugehen, als der Mann die Augen öffnet, sie anblinzelt, sie anlächelt, eine leichte Handbewegung macht und sie zum Sitzen einlädt.

«Ihr stört mich nicht, im Gegenteil, ich habe auf Euch gewartet,» sagt er. Darüber sind die beiden sehr erstaunt. Aber sie fassen Zutrauen zu dem freundlichen Mann und lassen sich neben ihm nieder.

Schweigend packen sie ihre Brote aus und essen davon. Dann öffnet Janina eine Cola, und sie trinken davon. «Na,» sagt der Mann, der ihnen schweigend zugesehen hat, «eine Cola ist ja nicht gerade das gesündeste Getränk.»«Da haben Sie recht,» antwortet die junge Frau, «aber man isst und trinkt ja nicht immer unbedingt das Gesündeste.» Und sie seufzt ein wenig.

Der weise Mann aber hat die beiden schon längst in sein Herz geschlossen, und er ist richtig froh, dass sie an seiner Seite sitzen.

Er schaut sie voller Liebe an - und doch ist sein Blick auch nach innen gewendet. Längst vergangene Zeiten erwachen zu neuem Leben. Und während er spricht, erwachsen sie in ihm zu ungewohnt erfrischender Klarheit und Lebendigkeit.


«Ihr habt Euch gewundert, dass ich vorhin sagte, ich habe Euch erwartet. Aber Eure Sehnsucht ist zu mir gedrungen; also habe ich mich aufgemacht und hier auf Euch gewartet. Ihr wollt wissen, woher Euer Leben, woher Eure Liebe und woher die Welt um Euch kommen. Ich will es Euch erzählen. Denn ich weiß, dass es Euch wirklich interessiert. Ich möchte es Euch in einer Geschichte erzählen, so erzählt es sich leichter.

In einer für Euch sehr fernen Zeit lebten viele Frauen und Männer in unermesslich großen und schönen Welten. Ihnen fehlte es an nichts. Sie waren glücklich. Aber es war nicht so wie ihr denkt, dass sie in den Tag hineinlebten. Sie hatten den Wunsch, ihre Welten noch schöner und vielgestaltiger zu machen. Und so entstanden Welten um Welten.

Eines Tages sagte sich ein Paar: «Wir möchten Kinder haben und ihnen eine von unseren vielen Welten geben. Darauf sollen sie glücklich sein – wie wir - und sie ebenso schön gestalten – wie wir.» Und so geschah es.

Sie bekamen Kinder und schenkten ihnen diese Welt. Ihre Töchter und Söhne waren glücklich und freuten sich sehr über dieses Geschenk. Voller Freude erzählten sie den Eltern von ihren Taten und Erfolgen und breiteten sich auf dieser Welt aus. Sie wurden stärker und stärker, erkannten nach und nach deren Geheimnisse und wurden sich so ihrer Kraft bewusst. Das dauerte eine sehr sehr lange Zeit, für Euch eine unvorstellbar lange Zeit.

Diese Wesen waren ebenfalls sehr experimentierfreudig und kreativ. Wie ihre Eltern hatten sie die Gabe und fanden ihre Freude daran, neue Welten zu erschaffen. Und dann fassten sie den Entschluss, wiederum eine Welt zu erschaffen. Und so erschufen sie voller Lust und Tatendrang Eure Welt, in der ihr lebt:

Hell und Dunkel in Tag und Nacht,

Hoch und Tief in Berg und Tal,

Heiß und Kalt in Feuer und Eis,

Trocken und Nass in Land und Meer,

Pflanze und Tier, Vogel und Fisch,

Mann und Frau

Sie sahen Eure Erde an und fanden sie schön, stark und gesund»



Eine Weile ist es still. Dann sagt er leise: «Ich habe Euch nun in groben Zügen Euren Ursprung geschildert. Ihr wisst nun, woher Eure Welt, Euer Leben und Eure Liebe kommen.»

Aufmerksam und mit wachsendem Erstaunen haben die beiden dem Mann zugehört. In ihrem Inneren breitet sich eine große Ruhe aus. «Wir danken Ihnen für diese neuen und unerwarteten Erkenntnisse. Das müssen wir erst einmal verarbeiten.» Und etwas zögernd fügen sie hinzu: «Können auch wir mit diesen Wesen in Verbindung treten?»

«Aber sicher» antwortet der weise Mann bedächtig, «Was meint ihr, woher ich mein Wissen habe? Jeder Mensch hat seine inneren Sinne. Mit dem inneren Ohr könnt ihr diese Wesen hören. Die Frage ist nur, ob ihr ihnen zuhören wollt. Aber darüber können wir uns ein andermal unterhalten.»

Er lächelt Jan und Janina an und sieht ihnen nach, bis sie in einer Wegbiegung seinen Augen entschwinden.

Dann steht er auf - erleichtert - denn zum ersten Mal hat er den Ursprung dieser Welt Menschen in dieser Zeit so erklärt.

Und tief in seinem Innern fühlt er das Lächeln jener weisen Frau, mit der er immer aufs Innigste verbunden ist, auch wenn er in diesem kleinen Lande, und sie in jenem weit entfernten großen lebt...





Albert Jäger

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Arne Jäger.

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15 Comments / add your comment?

*Kurt & Mary*pro says:
Albert wir müssen dir ein großes Kompliment machen für diese schöne Geschichte. Da ist wirklich was wahres dran. Wenn nur alle Menschen so wären.
Ganz liebe Grüße von uns
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro says:
Vielen Dank ihr Beiden....
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinum edited this comment 9 months ago.
Manfredo says:
Das Abschlußbild passt vortrefflich zur Geschichte.
Beide sind wunderbar!
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro replies:
Koran dankon - Manfredo -
Posted 9 months ago. ( permalink )
Elbertinum edited this comment 9 months ago.
Anne Seltmannpro says:
Tief beeindruckt bin ich und mir fehlen schier die Worte....
Ganz großes Kompliment an dieser Stelle von mir für dich!
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro replies:
- Danke Anne -
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
lilamopro says:
In meinem Innern breitete sich eine große Ruhe aus...
einfach nur dadurch, zu wissen, dass es andere Menschen gibt, die ähnlich empfinden...! Danke!
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro replies:
Das freut mich Lilamo - liebe Grüße - Albert
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
alain says:
Wow, einfach nur wow, tolle Geschichte hat mich sehr berührt! Danke!
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro says:
Das freut mich - Serotonin -
Posted 8 months ago. ( permalink )
Diedjé says:
Hallo Albert
Du hast eine schöne Geschichte geschrieben. Die Bilder passen auch gut dazu, sie sind sehr harmonisch. Den Inhalt der Geschichte werde ich auf mich wirken lassen müssen.
Posted 5 months ago. ( permalink / translate )
Hildegard Rasch says:
hier entdecke ich so viel Schónheit , nicht nur aussergewóhnliche Photografie, sondern auch
Geschrebrienes mit viel Inhalt . Vielleich schaust du mal bei mir nach, was ich so an Photos habe , auch zwei Gruppen, einen Blog wo ich über das Austerben mancher Spezies schreibe,
werde im Blog aber in Zukubft in beiden Sprachen schreiben, Deutsch und Spanisch
viele herzliche Grüsse aus Chile
Posted 5 months ago. ( permalink / translate )
Hildegard Rasch says:
WAS SOLL DAS, EBEN LESE ICH NOCH EINMAL DIESE SCHÓNE GESCHICHTE, WARUM HATTE ICH NEULICH NICHT SCHON DAS GESCHRIEBEN WAS ICH HÄTTE SCHREIBEN MÜSSEN? ODER SOLLEN. SO IST OFT, DER ALLTAG UNSER RASANTES LEBEN..., ERST HEUTE HABE ICH DIE GESCHICHTE IN RUHE GELESEN UND DIE BILDER ANGESEHEN, JA ES GIBT SO VIEL INTELIGENTE MENSCHEN, AUCH KLUGE WENN DU WILLST, ABER WEISE, DIE FINDEST DU SELTEN. DIE GESCHICHTE SOLLTE JEDER IN RUHE LESEN UND DARÚBER NACHDENKEN. GRATURLIERE DAZU.
Posted 4 months ago. ( permalink )
Hildegard Rasch says:
Elbertinum, ich finde die Geschichte so wie sie ist schön, oder hattest du noch eine Version gemacht? Wenn, dann wo?
Posted 3 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro replies:
Nein - es gibt nur diese Version -
Posted 3 months ago. ( permalink / translate )

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