Im Raum Halle gab es bereits in den 1820er Jahren fünf verschiedene preußische Chausseen, so dass sich im Umfeld der Saalestadt früher Dutzende Meilensteine befanden. Erhalten haben sich hingegen nur wenige, im heutigen Stadtgebiet von Halle sogar nur noch zwei von einst fünfzehn. Selbst die großen, tonnenschweren Ganzmeilenobelisken, die sich etwa am Roßplatz, am Reileck oder in Nietleben befanden, sind längst verschwunden. Da bei diesen Diebstahl nahezu ausgeschlossen ist, hat man sie wohl abgebaut und anderer Verwendung zugeführt.

Umso wertvoller ist der letzte erhaltene Ganzmeilenstein im Stadtgebiet, der über drei Meter hohe Obelisk in Halle-Ammendorf. In den letzten Jahren hat der Stein schwer gelitten: es gab zahlreiche Einritzungen, eine Ecke war weggebrochen, Flächen waren abgeplatzt und die Textfelder kaum mehr lesbar. Daher wurde der Stein in diesem Jahr abgebaut, saniert und am 24. Oktober 2016 wieder aufgestellt.

Möglich wurde dies im Rahmen der Sanierung der Brücke, so dass der Meilenstein jetzt zudem durch eine Leitplanke geschützt wird. Wieder lesbar ist seitdem die Entfernung nach Berlin (23 preußische Meilen entsprechen etwas mehr als 173 Kilometern), ebenso die Entfernungsangaben nach Halle, Merseburg und Weißenfels. Ergänzt wurden zudem die typischen Seitenbänke, die unter anderem über eine historische Aufnahme nachg Preußischer Ganzmeilenstein Halle-Ammendorf ewiesen sind sowie die Platte mit dem preußischen Adler. Ungewöhnlich erscheint vielleicht die Beschriftung des Steins, die an der Nordseite die Entfernung "von Halle" und an der Südseite die Entfernung von den anderen beiden Städten angibt. Dadurch wusste der Reisende allerdings, wie viele Kilometer er bisher zurückgelegt hatte. Der Meilenstein funktionierte hier also nicht primär als Wegweiser, sondern als Informationsquelle, die bei der Bezahlung von Gebühren notwendig war.

Der Stein stellt aber durch seinen Standort am Nordpunkt der Saale-Elster-Aue zugleich ein Straßenbaudenkmal dar, denn mit dieser neuen Chaussee, die vom Steintor in Halle aus nach Süden über Merseburg nach Weißenfels führte, wurde erstmals ein direkter Weg in die Nachbarstadt geschaffen, die bis dahin nur unter großen Schwierigkeiten zu erreichen war, da sich zwar der nächste Übergang - die Schafbrücke - im Nachbardorf Beesen befand, dieser aber hochwassergefährdet war, so dass häufig der Umweg zum übernächsten Übergang notwendig wurde, nämlich nach Passendorf im Westen von Halle, ein Umweg von vielen Kilometern, der dann über die Saalebrücken westlich von Halle (z. B. die Klausbrücke) führte. Mit diesem Straßendamm direkt gen Süden durch die Aue wurde in den Jahren 1818 und 1821 ein Weg geschaffen, der die Flussläufe der Weißen Elster, der Steinlache sowie der Saale mit vielbogigen Brücken überwand, ein Projekt, das die Bahn später parallel dazu weiter östlich wiederholen musste, da hier zwei der größten Flüsse Thüringens zusammenfließen (die Mündung der Weißen Elster in die Saale befindet sich einen Kilometer weiter westlich). So entstand dort unter anderem eine elfbogige Brücke über die Steinlache.

Die benachbarten Meilensteine im Norden von Schkopau und im Norden von Ammendorf (je Viertelmeilensteine) sind verschwunden, der Halbmeilenstein im Süden von Schkopau wurde durch die Forschungsgruppe Meilensteine wiedergefunden und neu aufgestellt. Diese fand auch heraus, dass der Halbmeilenstein im Innenhof der Moritzburg in Halle die halbe Meile zwischen Steintor und Ammendorf markierte.