fan_berlin Published on March 14, 2009
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Medien im Wandel? Die andere Krise.

Saturday March 14, 2009 at 05:17AM

Nach der Finanzkrise, der Wirtschaftskrise, nun eine Medienkrise? Die Sinnkrise unseres Systems reduziert sich auf den Faktor Geld. Auch im Geschäft mit den Nachrichten.

Wieder einmal stürzt sich die Industrie der Massenmedien auf den Mörder und die Opfer aus Winnenden, um möglichst hohen Profit aus dieser Tragödie zu schlagen.

Und wieder fragen sich Menschen mit gesundem Verstand, auch Journalisten dieser Kategorie soll es geben, ob diese Verwurstung der Trauer und Gier nach Sensationen geduldet werden kann. Viele Berichte finde sogar ich ekelhaft .

Damals in Köln, als die Geiselnehmer von Gladbeck auf dem Appellhofplatz vor dem WDR auftauchten, habe ich dem Drang widerstanden, als erster meine Geschichte der Redaktion zu liefern. Ich bin gegangen als das Auto mit den Verbrechern und den Geiseln anrollte. Ich wollte nicht dabei sein. Wahrscheinlich hatte ich auch Angst vor der unberechenbaren Gewalt dieser Bankräuber. Danach habe ich in Redaktionskonferenzen mit anderen vehement gegen die Berichterstattung der sogenannten Kollegen gesprochen. Meine Vorstellung vom Ethos im Journalistenberuf konnte ich deutlich machen.

Die Kritiker von damals sind verschwunden, "in Rente". Eine neue Generation muss offenbar die gleichen Fehler machen. Nur technisch mit neuen Möglichkeiten aufgerüstet wirken die Berichte in "Echtzeit" noch schrecklicher, weil der zeitliche Abstand zur Sendung, die Zeit zur Reflektion, nicht mehr gegeben sind.

Daran erinnere ich mich heute, wenn die Medienmacher der Welt ausschwärmen, um ihre Geschichten wie Grabräuber anzubieten. Und wieder beginnt die Debatte über die Medien und ihre Profiteure.

Die Eigentümer und Verantwortlichen in den Medien treibt die gleiche Gier wie die Spekulanten und Banker an den Börsen und Kapitaleigner großer Konzerne. Die Ware NEWS ist zu kleiner und großer Münze verkommen. Ein weiteres Indiz für das Ende eines Wertesystems, welches offenbar nichts mehr mit Moral und Ethik zu tun hat.

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12 Comments / add your comment?

fan_berlin replies:
Danke für den Hinweis.
Warum aber schreibt keiner etwas über die Zuschauer, die sich das täglich reinziehen? Wie wär's, wenn wir uns verweigern , keine dieser Massenmedien mehr kaufen oder abschalten oder abmelden würden? Dann hilft der Staat mit einer Abwrackprämie oder Rettungsschirm oder Hilfspaket für Medienverweigerer. Das wär's doch, oder?
Meine Ohnmacht in dieser Gesellschaft. Aber soll ich mir eine andere suchen?

.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
fan_berlin replies:
Konsequent werde ich den neuen SPIEGEL Titel nicht kaufen.
Hitler sells, Sex sells, now Tim K. sells.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
*Reinhard*pro says:
ob wir es "konsumieren" oder nicht scheint nicht wirklich zu interessieren, ich habe jede Berichterstattung die nach den ersten Nachrichten kam bewusst umgangen aber wen interessiert das...
was mich irritiert sind auch die Berichterstattungen der öffentlich rechtlichen Sender die früher etwas auf Ethik und Zurückhaltung gegeben haben und sich jetzt genauso überschlagen wie die Privaten. Nur zahle ich dafür bei den öffentlich rechtlichen auch noch Rundfunk- und Fernsehgebühren.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
fan_berlin replies:
Reinhard, ich brauche das FS auch nicht. Die Print-Medien übernehmen die TV-Bilder inzwischen als screen shot. So holt mich das Fernsehen immer ein. (Ist das Handy Video vielleicht auch ein FAKE?)
Die öffentlich rechtlichen Anstalten haben diesen Bonus von besserer Moral und anderer Ethik längst aufgegeben und verspielt. Der kommerzielle Druck heißt bei denen Quote. ARD und ZDF sind unter Druck der Politiker; sie sind die gleichen, die unsere Krisen mitverursacht haben. Schau Dir den HickHack um den Chefredakteur beim ZDF an.
Ich zahle die GEZ-Gebühr für Fernsehen nicht. Ganz legal zahle ich nur fürs Radio.
Schönen Sonntag!
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
*Reinhard*pro replies:
ja die liebe gehegte und gepflegte Quote.
Nun ich müsste die Fernseher rausschmeißen und dürfte keinen fernsehtauglichen PC haben dann könnte ich auch den Fernsehgebührenanteil auf den Kopf kloppen aber da sehe ich wenig Land...
Zu dem Thema Fake, seit ich weiß wie man Bilder realistisch verändern oder auch produzieren kann glaube ich noch weniger als vorher!
Wünsche auch noch einen schönen Sonntag auch ohne Sonne
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Delcour (Forum Libertus) says:
Wo siehst Du einen Wandel? Moralischer Verfall wird beklagt, seit Schriften zeitgeschichtliche Kritiken überliefern.

Nachrichten waren noch nie seriös und schon gar nicht objektiv. Wer informiert sein will, muss möglichst viele einigermaßen um Seriösität bemühte Quellen nutzen UND zwischen den Zeilen lesen UND das alles noch mit Zweifel hinterfragen.

Das machen die wenigsten. Die Frage ist auch, was es bringt. Man lebt m.E. viel glücklicher, wenn man die meisten Nachrichten als Unterhaltung begreift, die man interessant oder uninteressant finden kann.

Interessant ist auch, worüber nicht berichtet wird. Als wir Ende der 90er Jugoslawien angriffen, habe ich internationale Nachrichten aus Jugoslawien und aus China konsumiert, weil die hiesige Berichterstattung sich anhörte wie von der Pressestelle der NATO diktiert. Na und? Ich war vielleicht informierter, aber letztlich bin ich kein Akteur in dem verbrecherischen Geschehen (egal auf welcher Seite die Verbrecher sind). Wir meisten sind industriell funktionierendes Menschenmaterial deren Herrscher nicht einmal genau benamt werden können. Vielleicht wird mir nach Lektüre von Foucault einiges klarer.

Darum: Wenn man keinen anderen Nutzen aus wahrhaftiger Information ziehen kann als die Wahrheit als solches, kann man sie sich evtl. auch schenken.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
fan_berlin replies:
Ich kann dieser Überschüttung mit Pseudo-Nachrichten nicht entkommen. Dein Hinweis auf die "Schriften" treffen nicht was ich meine. Ich spreche von den MASSEN-Medien, denen ich ausgeliefert bin. Die Detail-Informationen aus dem Abgrund der Gesellschaft interssieren mich nicht, weil diese ohnehin falsch sind und später revidiert werden müssen.
Ja, ich spreche von Moral. Es soll sie noch geben.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Marcelpro says:
Danke für den Hinweis auf diesen Eintrag. Ich wußte gar nicht, das Du als Journalist gearbeitet hast. Mittlerweile hat der Beruf für mich leider ein Ansehen, das irgendwo zwischen Versicherungsvertreter und Gebrauchtwagenhändler liegt - auch wenn es sicher in vielen Fällen an den Zwängen durch die Arbeitssituation und den Druck der Eigentümer liegt. Journalisten sind ja auch Menschen und wollen von ihrer Arbeit leben können. Aber ihre Arbeit hat einen hohen Einfluss auf die "Konsumenten", deswegen muss man sie wohl strenger bewerten.
Das die Medien im Wandel sind, mag sicher stimmen - aber das sind sie wohl immer (als jede Stadt noch 4-5 Zeitungen hatte, war das meiste sicher auch schlimmste yellow press). Und das Gladbeck die Entwicklung in D nicht aufgehalten hat, bedaure ich ebenfalls sehr. Aber das ist nicht Mangel an Moral, sondern das war und ist politischer Wille.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
fan_berlin says:
Marcel, danke für Deine Sicht der Dinge. Der Beruf des Journalisten hatte immer zwei Seiten. Für eine musste ich mich entscheiden. Deshalb nehme ich Deinen Schlusssatz auf: " Aber das ist nicht Mangel an Moral, sondern das war und ist politischer Wille.
Für mich waren Gerechtigkeit, Moral und Ethik keine Fremdwörter. Jeder Journalist kann sich entscheiden (so wie in jedem Beruf) für wen er und wie er arbeiten will. Die herrschende Politik will immer alles kontrollieren. Wer den Einfluss erkennt, kann etwas dagegen tun - aber er kann sich auch anpassen. Es schwimmt sich besser mit dem Strom als gegen denselben.

Schau, was mir heute in den Kopf kam:
www.ipernity.com/blog/fritzberlin/136579
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
Marcelpro replies:
Ja, im Prinzip kann sich jeder entscheiden, mancher ist auch dazu veranlagt, sich in widrigen Zeiten lieber selbst auszugrenzen, als gegen seine Überzeugung zu leben, aber ich denke, viele haben nicht die Kraft oder den Mut, das durchzustehen. Und je seltener diese Menschen auftreten, umso einsamer stehen sie da. Da ist das Mitlaufen sooo viel einfacher. Und gerade im Medienbetrieb werden sich wohl auch besonders solche Menschen ansammeln, denen einen bestimmter Status in der Öffentlichkeit, das Befriedigen der Eitelkeit und ähnliches immer ein bisschen wichtiger ist, als die Moral. Oder sehe ich das zu vorurteilsbeladen?
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )
fan_berlin replies:
Deine Wahrnehmung ist richtig. Ohne Eitelkeit geht es bei den Medien nicht. Die Grenzen werden schließlich fließend zwischen Anspruch und und Selbstbespiegelung. Aufklärung und Information waren früher, heute ist das Medium Mittel zum Zweck. Natürlich gibt es genügend Ausnahmen, aber die Massenmedien bedienen dieses Dein Vorurteil.
Posted 9 months ago. ( permalink / translate )

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