Nach der Finanzkrise, der Wirtschaftskrise, nun eine Medienkrise? Die Sinnkrise unseres Systems reduziert sich auf den Faktor Geld. Auch im Geschäft mit den Nachrichten.
Wieder einmal stürzt sich die Industrie der Massenmedien auf den Mörder und die Opfer aus Winnenden, um möglichst hohen Profit aus dieser Tragödie zu schlagen.
Und wieder fragen sich Menschen mit gesundem Verstand, auch Journalisten dieser Kategorie soll es geben, ob diese Verwurstung der Trauer und Gier nach Sensationen geduldet werden kann. Viele Berichte finde sogar ich ekelhaft .
Damals in Köln, als die Geiselnehmer von Gladbeck auf dem Appellhofplatz vor dem WDR auftauchten, habe ich dem Drang widerstanden, als erster meine Geschichte der Redaktion zu liefern. Ich bin gegangen als das Auto mit den Verbrechern und den Geiseln anrollte. Ich wollte nicht dabei sein. Wahrscheinlich hatte ich auch Angst vor der unberechenbaren Gewalt dieser Bankräuber. Danach habe ich in Redaktionskonferenzen mit anderen vehement gegen die Berichterstattung der sogenannten Kollegen gesprochen. Meine Vorstellung vom Ethos im Journalistenberuf konnte ich deutlich machen.
Die Kritiker von damals sind verschwunden, "in Rente". Eine neue Generation muss offenbar die gleichen Fehler machen. Nur technisch mit neuen Möglichkeiten aufgerüstet wirken die Berichte in "Echtzeit" noch schrecklicher, weil der zeitliche Abstand zur Sendung, die Zeit zur Reflektion, nicht mehr gegeben sind.
Daran erinnere ich mich heute, wenn die Medienmacher der Welt ausschwärmen, um ihre Geschichten wie Grabräuber anzubieten. Und wieder beginnt die Debatte über die Medien und ihre Profiteure.
Die Eigentümer und Verantwortlichen in den Medien treibt die gleiche Gier wie die Spekulanten und Banker an den Börsen und Kapitaleigner großer Konzerne. Die Ware NEWS ist zu kleiner und großer Münze verkommen. Ein weiteres Indiz für das Ende eines Wertesystems, welches offenbar nichts mehr mit Moral und Ethik zu tun hat.
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Siebbipro says:
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Seen in siebbi home page (?)
fan_berlin replies:
Warum aber schreibt keiner etwas über die Zuschauer, die sich das täglich reinziehen? Wie wär's, wenn wir uns verweigern , keine dieser Massenmedien mehr kaufen oder abschalten oder abmelden würden? Dann hilft der Staat mit einer Abwrackprämie oder Rettungsschirm oder Hilfspaket für Medienverweigerer. Das wär's doch, oder?
Meine Ohnmacht in dieser Gesellschaft. Aber soll ich mir eine andere suchen?
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fan_berlin replies:
Hitler sells, Sex sells, now Tim K. sells.
*Reinhard*pro says:
was mich irritiert sind auch die Berichterstattungen der öffentlich rechtlichen Sender die früher etwas auf Ethik und Zurückhaltung gegeben haben und sich jetzt genauso überschlagen wie die Privaten. Nur zahle ich dafür bei den öffentlich rechtlichen auch noch Rundfunk- und Fernsehgebühren.
fan_berlin replies:
Die öffentlich rechtlichen Anstalten haben diesen Bonus von besserer Moral und anderer Ethik längst aufgegeben und verspielt. Der kommerzielle Druck heißt bei denen Quote. ARD und ZDF sind unter Druck der Politiker; sie sind die gleichen, die unsere Krisen mitverursacht haben. Schau Dir den HickHack um den Chefredakteur beim ZDF an.
Ich zahle die GEZ-Gebühr für Fernsehen nicht. Ganz legal zahle ich nur fürs Radio.
Schönen Sonntag!
*Reinhard*pro replies:
Nun ich müsste die Fernseher rausschmeißen und dürfte keinen fernsehtauglichen PC haben dann könnte ich auch den Fernsehgebührenanteil auf den Kopf kloppen aber da sehe ich wenig Land...
Zu dem Thema Fake, seit ich weiß wie man Bilder realistisch verändern oder auch produzieren kann glaube ich noch weniger als vorher!
Wünsche auch noch einen schönen Sonntag auch ohne Sonne
Delcour (Forum Libertus) says:
Nachrichten waren noch nie seriös und schon gar nicht objektiv. Wer informiert sein will, muss möglichst viele einigermaßen um Seriösität bemühte Quellen nutzen UND zwischen den Zeilen lesen UND das alles noch mit Zweifel hinterfragen.
Das machen die wenigsten. Die Frage ist auch, was es bringt. Man lebt m.E. viel glücklicher, wenn man die meisten Nachrichten als Unterhaltung begreift, die man interessant oder uninteressant finden kann.
Interessant ist auch, worüber nicht berichtet wird. Als wir Ende der 90er Jugoslawien angriffen, habe ich internationale Nachrichten aus Jugoslawien und aus China konsumiert, weil die hiesige Berichterstattung sich anhörte wie von der Pressestelle der NATO diktiert. Na und? Ich war vielleicht informierter, aber letztlich bin ich kein Akteur in dem verbrecherischen Geschehen (egal auf welcher Seite die Verbrecher sind). Wir meisten sind industriell funktionierendes Menschenmaterial deren Herrscher nicht einmal genau benamt werden können. Vielleicht wird mir nach Lektüre von Foucault einiges klarer.
Darum: Wenn man keinen anderen Nutzen aus wahrhaftiger Information ziehen kann als die Wahrheit als solches, kann man sie sich evtl. auch schenken.
fan_berlin replies:
Ja, ich spreche von Moral. Es soll sie noch geben.
Marcelpro says:
Das die Medien im Wandel sind, mag sicher stimmen - aber das sind sie wohl immer (als jede Stadt noch 4-5 Zeitungen hatte, war das meiste sicher auch schlimmste yellow press). Und das Gladbeck die Entwicklung in D nicht aufgehalten hat, bedaure ich ebenfalls sehr. Aber das ist nicht Mangel an Moral, sondern das war und ist politischer Wille.
fan_berlin says:
Für mich waren Gerechtigkeit, Moral und Ethik keine Fremdwörter. Jeder Journalist kann sich entscheiden (so wie in jedem Beruf) für wen er und wie er arbeiten will. Die herrschende Politik will immer alles kontrollieren. Wer den Einfluss erkennt, kann etwas dagegen tun - aber er kann sich auch anpassen. Es schwimmt sich besser mit dem Strom als gegen denselben.
Schau, was mir heute in den Kopf kam:
www.ipernity.com/blog/fritzberlin/136579
Marcelpro replies:
fan_berlin replies: