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November 1st, 2009

Aras Ören, zum siebzigsten Geburtstag

Glückwünsche für Aras Ören zum 70sten!
Glückwünsche für Aras Ören zum…
Ist ein in Istanbul geborener Schriftsteller mit deutschem Pass, der meist über deutsche Themen schreibt, das in seiner türkischen Muttersprache, diese in deutsch und türkisch hier wie dort veröffentlicht, nun ein deutscher oder ein türkischer Dichter? Aras lebt seit 40 Jahren in Berlin.

Von beidem etwas, wenn man auf Google-Suche geht. Immer wieder lese ich das Attribut „deutsch-türkischer“ Schriftsteller, nie das Wort „türkisch-deutscher“ Schriftsteller.

Anfangs packten die Literatur-Kritiker ihn in eine Schublade: der Gastarbeiter-Dichter. Damals hießen die Arbeitskräfte aus dem Mittelmeerraum in Deutschland „Gastarbeiter“. Einer, der die Begegnung zwischen den Kollegen am Arbeitsplatz und als Nachbarn zum ersten Mal poetisch beschrieb, wurde mit diesen Geschichten berühmt. Inzwischen hat er mehr als 50 Veröffentlichungen auf dem Büchermarkt, 35 davon in deutscher Übersetzung. Aber selbst noch heute wird diese Schublade der ersten Stunde gezogen, wenn über Aras Örens gesprochen wird, obwohl er immer schon als Chronist deutsche Geschichte und Gegenwart literarisch verarbeitet hat.

Aras Ören hat heute Geburtstag. Und weil er unbedingt noch seinen neuen Roman in diesem Jahr fertig abliefern will, hat er sich zurückgezogen. Er entzieht sich damit auch den Fragen der Journalisten und Gut-meinenden, die die alte Schublade gern wieder öffnen möchten.
Der 70-jährige Literat aber braucht kein Attribut.

Noch einmal: Herzlichen Glückwunsch!

www.arasoeren.de

die taz macht die Schublade auf:

Die Naunynstraße und das Stück

Tuncay Kulaoglu, 43, hat Film- und Theaterprojekte entwickelt und umgesetzt. Seit 2008 arbeitet er am Ballhaus Naunynstraße.

Der auf dem Buch des türkischstämmigen Berliner Schriftstellers Aras Ören basierende Theaterparcours umfasst sechs Stationen in der und um die Naunynstraße.

Premiere ist am heutigen Mittwoch im Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg. Ab 16 Uhr startet dort alle 15 Minuten ein Rundgang zu den Stationen des Theaterprojektes. Weitere Vorstellungen vom 12. bis 15. November. Mehr Informationen: www.ballhausnaunynstraße.de



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October 5, 2009

Übermut ? - "Ende der Rentengaratie"

Die Katze ist aus dem Sack, der Wähler bekommt, was er gewählt hat.

Wer jammert da?

DIW-Chef will Rentengarantie abschaffen

Erschienen am 05. Oktober 2009 | AP,AFP
DIW-Chef Klaus Zimmermann will die Renten-Garantie abschaffen (Foto: dpa)

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hat die künftige Bundesregierung aufgefordert, die Rentengarantie abzuschaffen. "Die unbezahlbare und unnötige Rentengarantie muss dringend weg, das sollte bei den Koalitionsverhandlungen auf den Tisch", zitiert die "Bild"-Zeitung den Wirtschaftsexperten. Zudem hält er eine Mehrwertsteuererhöhung für unausweichlich.

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September 28, 2009

Nach der Wahl - die Demokratie ist der Gewinner

Kritisches Resümee am Tag danach --->

Diese Wahl zum Bundestag 2009 hat gezeigt, dass unsere Demokratie lebendig ist. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Der Souverän – das Volk – hat seit langem endlich mal wieder eine Regierung, die es haben wollte. Die Wähler haben sich für eine klare Regierungsaussage entschieden. Der Wähler will eine klare Linie, wer mit wem. Die Vorgänger-Regierung (die Große Koalition) war von niemandem gewählt, sondern entstand aus machtpolitischem, opportunistischem Kalkül. Erfrischend nach dieser Wahl: Klare Verhältnisse! Das Rumgeeiere, die Rätselfragen welche möglichen Koalitionen könnten es denn sein, gab es nach diesem klaren Wählerwillen nicht.

Und noch eine klare Aussage nach der Auszählungen der Stimmen: Die Rechtsextremen wurden n i c h t gewählt. Auch hier ein klares Bekenntnis zu unserer Demokratie.

Damit sage ich nicht, dass diese kommende Regierung meine Wunschregierung ist. Ich bin mit dem Programm und den Zielen dieser Koalition nicht einverstanden. So ist z.B. Atomkraft ist nicht mein Ding.

Und noch einen guten Grund möchte ich anführen, für des Wählers Demokratieverständnis, Verantwortung und Unbestechlichkeit: Die SPD wurde abgestraft und aufgefordert, den Weg der so genannten Neuen Mitte endlich zu verlassen. Das Modell „Schöder-Steinmeier“ ist gescheitert. Wer in der Partei die Zeichen noch nicht erkannt hat, muss demnächst gehen.

War es nicht eine gute Tradition, dass die Verantwortlichen (hier Erdrutsch-Verlierer) in einer Partei zurückgetreten sind, wenn sie das Debakel mitverschuldet hatten.

In dieser Partei will offenbar keiner die Verantwortung dafür übernehmen – noch nicht! Der Auftritt der beiden „Unantastbaren“ am Wahlabend, so weitermachen zu wollen – diesmal in der Opposition - ist für mich ein Armutszeugnis. In dieser Traditionspartei müssen endlich die „Jungtürken“ den Aufstand proben.

Auch hier wird sich zeigen, dass die demokratische Basis sich nicht mehr von den so genannten Machtmenschen gängeln lassen wird. Nach Schröder, Clement nun auch Steinmeier. Es wird höchste Zeit!

Ich sehe zynisch voraus, dass Steinmeier auf halber Strecke, wie sein Freund Schröder, der Partei den Rücken kehren wird und sich bei Gazprom (und den anderen Firmen, bei denen der Igel schon in der Furche wartet) auf die Beraterhonorarliste setzen lassen wird.



google translation next ....

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September 15, 2009

Schweinegrippe - Impfen für mehr Korruption

Ein Gerücht wird mit Fakten offenbar belegt. Jeder ahnte es, jetzt werden Namen genannt.

Das regt mich auf. Und wen noch?



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August 26, 2009

Berliner Stadtreinigung und der Müll



Corpus für alle Delicti
Corpus für alle Delicti

....Ihre Nachricht vom 24.08.09 haben wir dankend erhalten.

Berliner StadtreinigungsbetriebeDer Schlossplatz wird von der DSK (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, Treuhändischer Entwicklungsträger des Landes Berlin) betreut. In deren Auftrag wurden von uns Papierkörbe installiert mit dem Auftrag zu einer einmaligen Entleerung in der Woche. Wie wir feststellen mussten, wäre die Reinigungsturnus absolut unhaltbar. So haben wir veranlasst, dass diese Behälter ein Mal pro Tag entleert werden. Der von Ihnen fotografierte Papierkorb wurde inzwischen geleert.


Sollten weitere Fragen offen sein, so steht Ihnen gerne unser Kundenservicezentrum unter der Rufnummer 7592 4900 zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Berliner Stadtreinigungsbetriebe
Regionalzentrum Mitte



... danke für Ihre schnelle Antwort.

Wäre das einmalig gewesen, hätte ich mich nicht aufgregt. Geärgert habe ich mich an einem Sonntagmorgen als der orange Müllsammlerwagen den Schlossplatz umkurvete und den Müll, der überall lag, sogar in blauenTüten nach einer Party verpackt, sich zwar an schaute aber dann ignorierte und weiterfuhr.
Die Schlossplatzwiese wird bei Berliner und Touristen langsam angenommen. Das zeigt das erhöhte Müllaufkommen. Ich könnte Ihnen mehr Bilder zeigen.

Kennen Sie Barcelona? Dort ist die Stadtreinigung in den vor Touristen frequentierten Gebieten vorbildlich. Die Touristen sehen die Müllmänner und -frauen bei der Arbeit. Entsprechend sauber sind die Flächen. Hier in Berlin wäre das auch möglich.

Ich behaupte aus eigener Erfahrung: Es gibt in Mitte zu wenig Papierkörbe, zu kleine Papierkörbe, und leider sind diese in der
Saison meistens überfüllt, weil die BSR-Planung nicht flexibel genug reagiert. Nicht nur rund um den Dom auch im Nikolaiviertel. etc.
Warum setzen Sie die Wintersaison-Leute nicht im Sommer als Touristensaison-Reiniger ein? Leeren - einmal am Tag in der Hochsaison, bei all den Veranstaltungen in Berlin - ist viel zu wenig.
Haben Sie sich das Stadtbild nach dem Marathon angeschaut. Der Müll und Dreck - eine tolle Visitenkarte. (Ironie)

Nochmals Dank für Ihre Antwort. Vielleicht hilft meine Anregung dem Ansehen Berlins aus der Schmuddelecke heraus.

Mit besten Grüßen
.....











Published at 08:07 ( 4 comments / 104 visits )
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August 23, 2009

Berliner Auto-Verkehr ruht

Straßensperrung - aus meiner Sicht ....

http://www.youtube.com/watch?v=R0CN3tuMB9Y

"Die große Marathon-Party wird heute fortgesetzt. Um 11.15 Uhr startet das Rennen der Frauen. Die gesamte Strecke ist von 7 bis 19 Uhr gesperrt. Eine Überquerung für Fußgänger, Radfahrer und Anlieger mit Autos ist nur an den markierten Stellen möglich, und das auch erst, wenn das gesamte Läuferfeld die Stelle passiert hat.
Gestern nahmen die Autofahrer die Sperrung gelassen. Größere Probleme habe es nicht gegeben, bilanzierte die Polizei."
(Zitat: WM-Marathon Zehn Kilometer Partymeile
Sonntag, 23. August 2009 04:00 - Von Markus Falkner)



Published at 20:33 ( 2 comments / 80 visits )
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June 18, 2009

Wasserfall in Brasilien und Argentinien

Paraguay, Brasilien, Argentinien ...

… die drei Staaten haben gemeinsame Grenzflüsse. Ihre Touristikabteilungen werben mit dem größten Wasserfall und dem größten Wasserkraftwerk. Iguazú steht auf der UNESCO Liste als Weltkulturerbe; Itaipu bietet den längsten Staudamm. Superlative, die mich reizen dorthin zu fahren, wenn ich schon so nah dran bin. So nah?

Der Weg zum Schlund der Hölle 1
Der Weg zum Schlund der Hölle…

350 km geben die Reiseführer als Entfernung von der Hauptstadt Asuncion bis zur zweitgrößten Stadt Ciudad del Este an. Dann nur noch über die Brücke der Freundschaft (Puente de la Amistad/Ponte da Amizade) nach Brasilien. Deutsche Reiseführer sprechen von einem Ausflug zu den Wasserfällen, Reiseführer Paraguays gleichermaßen. In meinem Hotel wird diese Tour als Tagesausflug angeboten (von 4 -24 Uhr). Als notorischer Gegner des organisierten Massentourismus entscheide ich mich für einen Trip auf eigene Faust. Und weil ich mindestens 2500 Euro für eine Reisebuchung aus Berlin gespart habe, arrangiert Rodolfo für mich eine individuelle Führung mit einer Übernachtung in Foz do Iguacu, in einem Hotel ganz dicht am Weltwunder.

Das Abenteuer beginnt am Freitagmorgen um 6:30 h und endet am Samstagabend um 20 Uhr im Hotel in Asuncion. Mein Ergebnis vorweg: Ich möchte die Erfahrung nicht missen, aber hätte ich gewusst, was auf mich zukommt, dann wäre ich nicht gefahren.

Published at 15:09 ( 5 comments / 227 visits )
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April 27, 2009

Piraten

Und nun? Der sogenannte Präsident von Somalia (aus welchem der drei Somalias?) war in Brüssel und hat hunderte von Millionen Euro bekommen, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben und vor allem um die Piraterie zu beenden.
Zwei Tage später, wie zum Hohn, haben seine Landsleute erneut ein deutsches Frachtschiff gekapert. Und, gestern versucht, einen Luxusliner zu überfallen.


Für mich ein anderer Beweis, dass die Piraten ganz normale Kriminelle sind, die sich noch nicht mal das Mäntelchen politischer Ausreden umhängen. Auf der anderen Seite die Cleverchen in Nationaltracht aus Mogadischu, die genau wissen, wie man Geld in Brüssel abgreifen kann.
Piraten im Anzug beeindrucken unsere Volksvertreter, die wahrscheinlich permanent mit schlechtem Gewissen rumlaufen, weil sie noch immer glauben, die Kolonialpolitik ihrer Ur-Großväter könne man mit Lösegeld wieder gutmachen.
Gibt es eigentlich noch Politiker mit Verstand? Oder ist derselbe derart verklebt, dass die Politiker meinen, mit Geld lasse sich jedes Problem regeln?
Europawahlen stehen vor der Tür.

Published at 13:02 ( 18 comments / 348 visits )
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April 22, 2009

Werbung am Fernsehturm - der zweite Versuch

Ein Werbespektakel am Fernsehturm hatten wir schon einmal. Direkt vor meiner Nase. Schon damals habe ich mich aufgeregt. Ich muss das ertragen wenn ich aus dem Fenster schaue. Wollte die Senatorin Junge-Reyer die Großwerbung noch vor vier Wochen verbieten, verhindern?

Ich schaue zurück ins Archiv.

Wednesday, September 06, 2006

Unübersehbar ...

... ist der Fernsehturm am Alexanderplatz. Nicht nur von meinem Fenster aus. Pfiffige Journalisten stellen Fragen; und einer von ihnen bekommt ausweichende Antworten.




Im August forderten Berliner und Touris im KURIER,
den WM-Ball am Fernsehturm zu lassen.
Doch nun hängen Folienreste an der unteren Kugelhälfte.
Oben, wo sie fehlt, sieht man den ganzen Dreck!


Wieder mal ein Beispiel für schlechte Öffentlichkeitsarbeit der Telekom. Mit Ausreden und Hinhaltetechnik lassen sich Journalisten nicht vertrösten.

Heute werden die Pressesprecher in Bonn ihre Wunden lecken und diesen Aufmacher im BERLINER KURIER belächeln: "Boulavard". Der Imageschaden für den Konzern ist dennoch erheblich.

Anders als der Reporter vom KURIER bin ich der Meinung, man hätte dem Betreiber des Fernsehturms, der Telekom, überhaupt diese Schnapsidee mit dem Fußball ausreden sollen. Der Fernsehturm ist kein Versatzstück in der Berliner Stadtmöblierung wie eine Werbesäulen der Firma Wall; auch die Folgen waren vorhersehbar.

Artikel im Berliner Kurier, 06.09.2006
FERNSEHTURM
Die Schande vom Alex: Räumt hier endlich auf
Jetzt ist noch die Hebebühne kaputt

Norbert Koch-Klaucke
Mitte - Wie sieht nur der Fernsehturm aus? Zur WM war er mit dem aufgeklebten Fußball die Touristenattraktion. Und jetzt? Die Berliner müssen auf eine total verdreckte Kugel blicken, an deren unteren Hälfte noch Folienreste kleben, als würde man sie nicht abbekommen.

Hätte die Telekom nur den schönen WM-Ball am Telespargel gelassen. Die Mehrheit der Berliner und Touris wollte es so. Doch die Telekom beschloss vor einem Monat, die pink-silberne Folie abzureißen (KURIER berichtete). Aber so richtig bekommt der Turmbetreiber die Sache nicht gebacken.

Auf der oberen Kugelhälfte gingen die Ballreste ohne Probleme ab. Nur unten klappt es nicht. Und die Industriekletterer mussten ihre Arbeit einstellen. Grund: Um an die unteren Folienreste zu kommen, müssen die Arbeiter auf eine Hebebühne, die sich an der Kugel befindet und mit der sonst Fenster geputzt werden. "An ihr hat der TÜV unter anderem Mängel an den Sicherheitslaschen festgestellt", sagt Telekom-Sprecher Stephan Althoff. Die sollen bis 20. September beseitigt werden. Der Telekom-Mann verspricht: Die Kugel wird 2007 gereinigt. Alle vier bis fünf Jahre bekommt der Turm eine Wäsche.

Published at 19:43 ( 2 comments / 227 visits )
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April 14, 2009

Somalia: Nach der Spontanität nun der klare Kopf

Wie Opfer zu Täter werden. Ein Muster, das überall und immer wieder neue Anhänger findet.

Wir zeigen Verständnis, aber ....

Hier ein Kommentar in der Berliner Zeitung vom 14.4.2009
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0414/meinung/0050/index.html

ANALYSE

Ein Held und viele Hungerleider vor Somalia

Marc Engelhardt

Die Befreiung des amerikanischen Kapitäns Richard Phillips durch das US-Militär war eine Heldentat. So dürften es jedenfalls Millionen von Amerikanern sehen, die über Ostern das Schicksal des als mutig, selbstlos und echt amerikanisch beschriebenen 53-jährigen im Fernsehen verfolgten. Auch US-Präsident Obama dürfte froh sein. Derzeit kann er nichts weniger gebrauchen als noch eine Krise. Was bedeutet es da schon, dass selbst diejenigen, die für Phillips Befreiung verantwortlich sind, einräumen, die Gewalt in diesem Teil der Welt könne sprunghaft ansteigen.

Bislang funktionierte Piraterie vor Somalia nach einem klaren Businessmodell: Die Piraten kassierten, dafür gaben sie Schiff und Besatzung unversehrt zurück - auch wenn viele Seeleute oft wochen- oder monatelang ausharren mussten. Doch jetzt, so warnen Verbündete der Piraten, wird sich das ändern. Wenn Spezialeinheiten unsere Leute umbringen, so drohen sie, dann ermorden wir eure.

Aus solchen Worten spricht Wut und ein wenig Angst. Doch die Piraten und vor allem ihre Hintermänner sind viel zu sehr Geschäftsleute, um ihr Millionengeschäft durch willkürliche Morde zu gefährden. Eher werden die Lösegelder noch höher steigen, weil für die Seeräuber das Risiko durch die Marineschiffe zugenommen hat.

Wer sich auskennt im Piratenbusiness, der weiß, dass die Piraten vom Rettungsboot sich schlicht überhoben haben. Zu viert einen Frachter entführen zu wollen, noch dazu einen unter US-Flagge, war schlicht unprofessionell. Manch ein Seeräuber ärgert sich, dass die vier Dummköpfe die so lange wegguckenden Amerikaner zum Hinschauen bewegt haben.

So ist die wahrscheinlichste Folge, dass die Piraten in Zukunft Schiffe unter US-Flagge oder Trikolore weiträumig umfahren werden. Stattdessen werden sie sich auf Schiffe anderer Nationen konzentrieren, etwa deutsche - bis doch jemand auf die Idee kommt, die GSG 9 zur Befreiung von deutschen Piratengeiseln einzusetzen.

Schlimm ist das zunächst für Schiffe aus armen Ländern, die mit dieser Art von Wettrüsten nicht mithalten können. Schon jetzt stammen die meisten der 240 Geiseln in Somalia von den Philippinen, deren Regierung sich kostspielige Spezialkommandos nie leisten könnte. Doch auf mittlere Sicht wird die Aufrüstung am Horn von Afrika auch die westlichen Nationen treffen, die ihren Schiffen immer mehr Begleitschutz finanzieren müssen. Daran, und am unkalkulierbar steigenden Risiko, kann niemand ein Interesse haben.

Die Befreiung von Richard Phillips mag kurzfristig Anlass zum Aufatmen geben: Endlich unternimmt jemand etwas gegen die Piraten. Doch auf lange Sicht wird man um die Einsicht nicht herumkommen, dass sich Somalias Armee der Hoffnungslosen nicht mit Sonderkommandos und Kriegsschiffen bekämpfen lässt. Ein hungriger Mann ist ein wütender Mann, sagt man in Afrika. Und: Wer nichts zu verlieren hat, der kämpft bis zum Schluss.

Frieden auf See wird es in Somalia nur geben, wenn es Frieden, Stabilität und ein bisschen Lebensqualität an Land gibt - wenigstens so viel, dass die Menschen nicht verhungern. Es ist die blanke Not, die die Handlanger der international vernetzten Piratenbosse in die Boote treibt. Was Somalia braucht, ist ein Held, der eine ganze Nation befreit. Einzig, so jemand ist bisher nicht in Sicht. (Ende des Zitats aus der BZB)

Und hier meine Reaktion darauf:

Es geht um Business. Hier geht es um viele Millionen. Und viele Leute verdienen daran.

Nun ist dieses Geschäft gestört, das heimliche Stillschweigen aufgekündigt - und das von einem, der auch in seinem Heimatland mit dieser Verlogenheit der Geschäftemacher bricht und sie zur Rechenschaft zwingt.

Nun wird diesem neuen US-Präsidenten in Teilen der deutschen Presse vorgeworfen, er habe zwar moralisch gehandelt, aber den „Partnern in Crime“ das Geschäft versaut.

Warum schaffen es die Amerikaner, die Israelis, vielleicht noch die Franzosen, ihre als Geisel genommenen Staatsbürger zu befreien? Es doch wenigstens versuchen. Und zwar ohne den Krämerseelen nach dem Munde zu reden. Was ist ein deutscher Staatbürger wert? Wenig, wenn die Geschäftsinteressen gefährdet sind.

Ich ärgere mich über die bigotten Krokodilstränen der hiesigen Bedenkenträger, die mal wieder alle Schuld den „Umständen“ anlasten. Die armen Somalis? Ich kenne ihre Argumente. Ich habe lange aus diesem Teil der Welt berichtet. Seit Siad Barré hat kein Mensch dort eine Rechtstaat aufbauen können. Nicht weil sie nicht wissen wie es geht, sondern weil sie nicht wollen. Ihre Unabhängigkeit (weil es keine Gesetze gibt, gibt es auch keine Gesetzlosigkeit) ist ihnen wichtiger, als die Verantwortung für eine funktionierende Zivilgesellschaft zu übernehmen. Es muss ja nicht gleich eine Demokratie nach westlichem Muster sein. Aber wenigstens die Anerkennung der Grundrechte-Charta der UN.

Wir sollten uns endlich abgewöhnen, für das Elend in Afrika immer nur die Schuld bei uns zu suchen. Dieser eurozentrische Paternalismus ist unerträglich. Vieles ist richtig in der Analyse von Marc Engelhardt, aber er sitzt doch in der Falle. Aus seiner Berliner Sicht schreibt er: „Was Somalia braucht, ist ein Held, der eine ganze Nation befreit. Einzig, so jemand ist nicht in Sicht.“ Wo sollte der auch herkommen, wenn nicht aus Somalia selbst? Schon allein die Frage ist falsch. Somalia ist keine Nation.


Das ist eine Fortsetzung meines vorhergehenden Bogs

www.ipernity.com/blog/fritzberlin/142906

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April 12, 2009

US Geisel-Kapitän ist frei

Dazu muss ich spontan etwas sagen:

Klasse, dass Obama den Kapitän frei bekommen hat. Ich weiß, das ist Quatsch, aber der Geist eines B.O. könnte ja auf die Befreier durchgefettet haben. Was Bush seinerzeit angefasst hat, haben seine Leute meistens vermasselt. So sehe ich das.
Bravo - American Spirit! They can do it! (Aber nicht übermütig werden).

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March 27, 2009

Kölscher Klüngel – eine kriminelle Vereinigung?

Stadtarchiv Koeln (seen on Google)
Stadtarchiv Koeln (seen on Goo…
Bislang sah man die Kölner – mit und ohne Verantwortung in Politik und Wirtschaft – als eigenwilliges Völkchen mit eigenen Moralvorstellungen. Berühmt ist die „Kölsche Lösung“.

Für einen „Immi“, der in Köln arbeiten durfte, war diese Rheinische Lebensart gewöhnungsbedürftig. Und wann immer der Kölsche Klüngel außerhalb der Domstadt für Aufregung sorgte, dann wurde dieses Ereignis weggewischt, verniedlicht, als Folklore abgetan. Der Kölsche Klüngel hatte den gleichen Stellenwert wie der Kölner Karneval.

"Et kütt, wie et kütt. Et hät noch immer jot jejange." ***

Diesmal ist es nicht mehr „jot jejange“ – gut gegangen.

Ging es bislang meistens um Betrug, Schiebereien, Korruption, Vetternwirtschaft, es waren eben immer nur so genannte Kavaliersdelikte. Die Zahl der Fälle füllt Bücher.

Nun aber ist diese Lebensart nicht mehr lustig. Menschenleben sind zu beklagen. Dokumente, aus denen die Kölner ihre Identität reklamieren, sind vernichtet.

Der Spaß hat ein Ende. Die Kölner Gesellschaft ist in der Wirklichkeit einer von Macht und Gier getriebenen Elite angekommen. Der niedliche, verharmlosende Begriff des Kölner Klüngels bekommt eine neue Bedeutung. Es gibt nichts Vergleichbares. (Assoziationen mit Organisationen in Italien oder Russland sind untauglich.)

Dennoch muss es endlich ausgesprochen werden: Der Kölsche Klüngel muss sich den Vorwurf der Kriminellen Vereinigung gefallen lassen. Die Justizbehörden sind endlich aufgewacht. Tod und Katastrophe sind keine Folklore mehr.

*** www.koelsche-geschenke.de/start.htm?tisch_und_kueche_koelner_stangen.htm

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March 20, 2009

Aufstand der Väter! Es ist nicht zu spät!!

Das Thema bleibt aktuell, obwohl sich die Diskussion am Ende dieser Runde wieder auf die Schulen und Politiker verlagert hat. Meine Frage bleibt: Warum schießen Väter so gerne?



Die kleine Meldung im TSp kommt spät, für die Opfer und den Täter zu spät. Aber für viele Eltern ist diese Nachricht ein Hoffnungsschimmer.

Tim K.’s Vater will Waffen abgeben

Winnenden - Nach dem Amoklauf von Winnenden haben sich mehrere Waffenbesitzer in der Region freiwillig von Schusswaffen getrennt. Wie der Landrat des Rems-Murr-Kreises am Donnerstag mitteilte, wurden im Landratsamt in Waiblingen seit dem 11. März 20 Waffen verschiedener Kaliber abgegeben. Auch der Vater des Todesschützen Tim K. will seine Waffenbesitzkarte zurückgeben, sagte sein Anwalt. ddp/dpa


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.03.2009)

Was würde passieren, wenn plötzlich alle Väter aus Solidarität mit den Trauernden ihre Waffen abgeben würden? Schweigeminuten, Kerzen, Halbmast, Gottestdienste - alles das befreit und zeigt, wie schlimm es in unserer Gemeinschaft zugeht.

Sollten wir nicht eine Kampagne starten: Väter geben ihre Waffen ab!

So nach dem Muster der einmalig erfolgreichen Kampagne der Frauen gegen das Abtreibungsverbot im STERN. Welches unserer Printmedien (Massenmedium) macht den Anfang? BZ, Bild, Express, Kurier, Stern, Spiegel, Focus?

Die Jammerei und Betroffenheitsbekundungen der Politiker und Presse wird unerträglich. Der neue Slogan heißt inzwischen WARUM. Die Antwort kann nur lauten: Weil Väter ihre Waffen nicht abgeben. Verantwortungsvolle Väter könnten ein Zeichen setzen: Sie geben alle ihre Waffen sofort ab!



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March 16, 2009

Déjà-vu - Vaters Waffen



Erinnerungen an die Kindheit werden wach. Ich war etwa 14 Jahre alt, Sohn eines Waffen-besitzenden Vaters. Als stolzer Jäger, der nun zur sogenannten besseren Gesellschaft dazu gehörte, hatte er auch zwei Gewehre und eine kleine Pistole im Schrank. Ordentlich verschlossen, denn als guter Preuße beachtet man die Regeln. Strenge Waffengesetze gab es damals noch nicht; ein Jagdschein reichte, um mit diesem Waffen und Munition zu erwerben.

Vater wusste, dass Kinder im Haushalt natürlich neugierig sind. So hatte er die Waffen im Schrank eingeschlossen. Den Schlüssel zum Schrank versteckt. Die Munition getrennt im Schreibtisch, verschlossen.

Eines Tages fuhren Vater und Mutter in den Urlaub, damals waren es verlängerte Wochenenden. Für mich genügend Zeit, mir eine der Gewehre zu holen, um endlich einmal ungestört zu probieren, ob ich auch schießen kann. Anvisierte Ziele waren die Nummernschilder auf den Garagentoren im Hof. Und ich habe diese auch getroffen. Das war's.

Als die Eltern zurück kamen, bekam ich von dem "Alten" ein mächtige Tracht Prügel. Natürlich hatten die Nachbarn meine Schießübungen beobachtet.

Damit war die Angelegenheit aber nicht erledigt. Mein Vater hatte erkannt, dass es kein sicheres Versteck für seine Waffen gab. Kinder sehen alles, merken alles, wollen alles, können alles. Ich wusste wo der Schlüssel zum Schrank versteckt war, ich wusste wo die Munition lag, wusste wo der Schlüssel zur Schreibtischschublade versteckt war, ich wusste wie alles zusammenpasste - und konnte schießen.

Gottseidank war meine jüngere Schwester mit den Eltern unterwegs. Sie konnte mich an meinem Tun nicht hindern.

Der Schreck war dem "Alten" anzumerken. Um die Familie und die Nachbarn vor seinem neugierigen Sohn in Zukunft zu schützen, verkaufte er seine Waffen. Das, so erkannte er, war der beste Schutz. Als ehemaliger Soldat wusste er wovon er redet: "Wer eine Waffe besitzt, der benutzt sie auch!"

Ich habe im späteren Erwachsenenleben allen "Verlockungen" oder vermeintlich guten Gründen widerstanden, mir eine Waffe anzuschaffen. Kinder sind clever. Vor ihnen gibt es kein sicheres Versteck.

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March 14, 2009

Medien im Wandel? Die andere Krise.

Nach der Finanzkrise, der Wirtschaftskrise, nun eine Medienkrise? Die Sinnkrise unseres Systems reduziert sich auf den Faktor Geld. Auch im Geschäft mit den Nachrichten.

Wieder einmal stürzt sich die Industrie der Massenmedien auf den Mörder und die Opfer aus Winnenden, um möglichst hohen Profit aus dieser Tragödie zu schlagen.

Und wieder fragen sich Menschen mit gesundem Verstand, auch Journalisten dieser Kategorie soll es geben, ob diese Verwurstung der Trauer und Gier nach Sensationen geduldet werden kann. Viele Berichte finde sogar ich ekelhaft .

Damals in Köln, als die Geiselnehmer von Gladbeck auf dem Appellhofplatz vor dem WDR auftauchten, habe ich dem Drang widerstanden, als erster meine Geschichte der Redaktion zu liefern. Ich bin gegangen als das Auto mit den Verbrechern und den Geiseln anrollte. Ich wollte nicht dabei sein. Wahrscheinlich hatte ich auch Angst vor der unberechenbaren Gewalt dieser Bankräuber. Danach habe ich in Redaktionskonferenzen mit anderen vehement gegen die Berichterstattung der sogenannten Kollegen gesprochen. Meine Vorstellung vom Ethos im Journalistenberuf konnte ich deutlich machen.

Die Kritiker von damals sind verschwunden, "in Rente". Eine neue Generation muss offenbar die gleichen Fehler machen. Nur technisch mit neuen Möglichkeiten aufgerüstet wirken die Berichte in "Echtzeit" noch schrecklicher, weil der zeitliche Abstand zur Sendung, die Zeit zur Reflektion, nicht mehr gegeben sind.

Daran erinnere ich mich heute, wenn die Medienmacher der Welt ausschwärmen, um ihre Geschichten wie Grabräuber anzubieten. Und wieder beginnt die Debatte über die Medien und ihre Profiteure.

Die Eigentümer und Verantwortlichen in den Medien treibt die gleiche Gier wie die Spekulanten und Banker an den Börsen und Kapitaleigner großer Konzerne. Die Ware NEWS ist zu kleiner und großer Münze verkommen. Ein weiteres Indiz für das Ende eines Wertesystems, welches offenbar nichts mehr mit Moral und Ethik zu tun hat.

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March 11, 2009

Again ...

... my pic was choosen. And I like it as the jury is driven by IP ethics not by counting clicks to get cheap awards. Thank you folks.

www.ipernity.com/group/bow-halloffame

Fritz

Published at 08:14 ( 5 comments / 123 visits )
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March 7, 2009

Auferstanden aus Ruinen - das Neue Museum in Berlin

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Wenn es etwas umsonst gibt, dann sind die Berliner bereit auch längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Mit diesem Vorurteil fahre ich zum Lustgarten und finde meine Vermutung bestätigt. Die Schlange windet sich vor der Alten Nationalgalerie bis hin zur Baustelle, wo der Kopf der Schlange endlich im Neuen Museum verschwindet.

Die leeren Räume des Museums faszinieren die Besucher. Ich spüre eine andächtige Ruhe. Keine lärmenden Atmosphäre trotz des Massenauftriebs. Jeder Schritt auf dem Rundweg bietet dem Interessierten eine Überraschung. Das sonst übliche Mäkeln, die lauten Kommentare, an die Partnerin gerichtet, aber eher für Umherstehenden gemeint, sind nicht zu hören. „Ein bisschen viel Ruine, aber sonst sehr schön." Diese Bemerkung klingt bei einem älteren Herrn vor der Informationstafel fast wie eine Entschuldigung.

Die Besucher nehmen sich überraschend viel Zeit für den Rundgang. Schon jetzt, ohne Exponate, reichen nicht einmal vier Stunden für die Tour: So viele Ein- und Ausblicke, so viele Ahs und Ohs, die Augen entdecken immer neue Details.

P10300620307
P10300620307
Jeder zweite oder dritte Besucher hat seine Digikam mitgebracht. Die Aufsicht wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass Blitzen nicht gestattet sei. Aber wer weiß schon, wie man an seiner Kamera aus dem Supermarkt den Blitz ausschaltet? Schließlich werden die Ermahnungen immer seltener. Jeder soll doch sein Foto vom Ereignis des Jahres mitnehmen dürfen und zuhause vorführen. Die Berliner haben einen neuen Ausflugsort entdeckt – das Neue Museum à la Chipperfield.

Published at 23:23 ( 0 comments / 93 visits )
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March 6, 2009

Neues Museum - Besucherandrang für drei Tage

Museum - Eine erster Durchblick
Museum - Eine erster Durchblic…
In der bz-Berlin polemisiert ein Journalist gegen den Umbau des Neuen Museums.

Hier der Text.

Ich habe ihm geantwortet, weil ich anderer Meinung bin.

Klar, wir hätten alles so machen können, wie Stühler es hinterlassen hat. Wäre Berlins Museumsinsel von einem Tsunami zerstört worden, (bei Inseln liegt dieser Vergleich nahe), dann würde ich Ihnen beipflichten. Die Zerstörung durch Bomben und spätere Ignoranz war aber keine Naturkatastrophe wie Sie unterschwellig den Eindruck erwecken. Aber wahrscheinlich sind Sie zu jung und leben mit dem Spruch Ihrer Eltern und Großeltern auch Lehrern und Chefredakteuren vom "Ausbruch des Krieges". Ein Vulkan bricht aus; diesen Krieg haben die Deutschen, auch die Berliner begonnen und wurden dafür bestraft. Sie können nicht so tun als könne man, könnten Sie, könnten wir Deutschen, die Zerstörung des Stühler-Baus rückgängig machen. Nach dem Motto, wir kaufen uns einen Architekten, der als neuer Stühler die Jahre und die Gründe für die Zerstörung ausblendet und die Ignoranz der DDR-Administration gleichermaßen.

Sie haben sicherlich verstanden was ich meine. Ihre Polemik mit „des Kaisers neue Kleider“ richtet sich an Ihre Leserschaft, die dieses Märchen noch kennt.
Sie werden eines Tages zurückrudern und feststellen, dass die Wiederherstellung des Neuen Museums einen außerordentlichen ästhetischen Reiz hat. Der Besucherstrom heute (am Freitag) hat die Menschen sicherlich überrascht. Die Berliner wollen sich eine eigene Meinung bilden. (BILDen). Sie sind viel zu clever, um die Sprüche der von Ihnen genannten Herren ungeprüft zu übernehmen.


Museum EIN ERSTER BLICK
Museum EIN ERSTER BLICK

Gehen Sie hin, reihen Sie sich in die Schlange ein, reden Sie mit den Besuchern im Gebäude und wenn sie raus kommen. Sie werden eine andächtige Stille erleben. Die Besucher können nicht genug bekommen und staunen mindestens drei bis vier Stunden vor den unverputzten Wänden und restaurierten Fragmenten.
Und ich verrate Ihnen noch ein Geheimnis: Die Besucher erinnern sich an die leeren Räume des Jüdischen Museums und werden fordern, dass die Museumsleitung auf der Museumsinsel die Möglichkeiten einer Begehung der Räume des Neuen Museums ebenfalls verlängert - sehr lange verlängert.

Wenn Sie meine Meinung veröffentlichen wollen, dann tun Sie's.
Mit freundlichen Grüßen

...



heute, 7.3.2009, im Tagesspiegel:

Erster Tag der offenen Tür
Berlinern gefällt das Neue Museum

Die Berlinern scheinen ihr wiederhergestelltes Neues Museum zu mögen. Am Freitagvormittag standen die Neugierigen bis zu drei Stunden an, um sich das neu restaurierte Gebäude anzusehen. Die Schlangen waren zeitweilig über einen halben Kilometer lang, die Menschen reihten sich bis zum Dom. Bis zum Freitagmittag sind nach Angaben des Museums 5000 Besucher gezählt worden, so der stellvertretende Leiter des Besucherdienstes. (Am Ende des Tages wurden 10.000 Besucher gezählt.)



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