Was ist ein Bild?
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Was sehen und spüren wir, wenn wir ein Bild betrachten?
Wann ist ein Bild ästhetisch?
Sind es offensichtliche Bildmerkmale und -inhalte, über die wir Ästhetik definieren können oder ist dies ein individueller ganz persönlicher Prozess, der sich in uns beim Betrachten eines Bildes abspielt?
Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich das Philosophische Radio am 24. April 2009. Mit Lambert Wiesing und natürlich Jürgen Wiebicke über Ansichten von Immanuel Kant, Georg W. F. Hegel und Konrad Fiedler.
Eine überaus spannende und hörenswerte Folge!
www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2267642
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aze.pro says:
aesthetisch = schoen?
schoen ist was man kennt? das schliesst das haessliche, das man kennt, aus? oder ist das haessliche, weil man es kennt, auch schoen? ;-)
irgendwie komm ich aber an das gesagte noch nicht ran. muss es wohl noch mal hoeren.
vielleicht klappts ja besser, wenn ich versuche, mich nicht ueber die art wie sie sprechen, aufzuregen...
Tupelo Honeypro says:
Hör dir mal die Folge über Albertus Magnus an- da wirds dir die Schuhe ausziehen :-)
lichtundschattenpro says:
Tupelo Honeypro replies:
DevilsPainterpro says:
(*) inwieweit die Verwendung des Goldenen Schnittes in der Kunst zu besonders ästhetischen Ergebnissen führt, ist letztlich eine Frage der jeweils herrschenden Kunstauffassung. Für die generelle These, dass diese Proportion besonders ansprechend und harmonisch empfunden wird, gibt es keine gesicherten Belege. Viele Künstler setzten den Goldenen Schnitt bewusst ein, bei vielen Werken wurden Kunsthistoriker erst im Nachhinein fündig. Diese Befunde sind jedoch angesichts der Fülle von Kandidaten für den Goldenen Schnitt, wie man sie beispielsweise in einem reich strukturierten Gemälde finden kann, oft umstritten.!
Wiki Tangopro says:
Fave, damit ich den WDR-Artikel wiederfinde, geht ja fast ne Stunde :-)
Danke für den Link!
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Seen in a user's home page (?)
lichtundschattenpro says:
"Ästhetik als Theorie des Schönen
Die Definition von philosophischer Ästhetik als Theorie des Schönen ist weit verbreitet.
Diese Definition entstand auf Grund der Tatsache, dass es häufig schöne Dinge sind, die in einem Menschen ästhetische Erlebnisse auslösen. Deshalb sind viele Menschen der Auffassung, dass Schönheit ästhetisch ist. Es handelt sich also um eine Verallgemeinerung, derer sich aller handhaben können.
Jedoch ist diese Definition aus philosophischer Sicht nicht adäquat, da durchaus auch andere Eigenschaften, wie elegant, spannend, vollkommen, poetisch, anrührend u. a. ästhetische Erlebnisse bei uns hervorrufen können. Somit müssen es nicht unbedingt schöne oder hässliche Gegenstände sein, die ästhetisch auf uns wirken.
Im Übrigen ist es schwer, „schön“ zu definieren, da man entweder von der eigenen Meinung ausgeht oder aber Eigenschaften an Gegenständen finden muss, die allgemein als „schön“ gelten. Dann wäre Schönheit eine unabhängige Eigenschaft an einem Gegenstand, die definiert werden kann.
Daher ist die Schönheit als Definition der philosophischen Ästhetik nicht umfassend genug.
Ästhetik als Theorie der Kunst
Die erste traditionelle Definition der Ästhetik ist die Theorie der Kunst.
Es zeigt sich, dass diese Definition einerseits angebracht ist, da die Kunst einen wesentlichen Bestandteil der Ästhetik ausmacht und viele ästhetische Erlebnisse auf Kunstwerken basieren.
Andererseits gibt es auch ästhetische Erfahrungen, welche nicht ausschließlich durch Kunstwerke hervorgerufen werden. Hierzu zählen Ereignisse in der Natur (z. B. kann durch einen Regenbogen ein ästhetisches Erlebnis ausgelöst werden, obwohl er ausschließlich durch natürliche Umstände entstanden ist) oder auch alltägliche Dinge (z. B. ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch) die auf den Betrachter ästhetisch wirken können.
Ästhetik als Theorie der sinnlichen Erkenntnis
Alexander Gottlieb Baumgarten definiert Ästhetik als die Theorie der sinnlichen Erkenntnis.
Mit sinnlicher Erkenntnis bezeichnet man hierbei die sinnliche Wahrnehmung und das Erfassen bestimmter Eindrücke. Die meisten (wenn auch nicht alle) Arten der ästhetischen Erfahrungen sind ohne sinnliche Wahrnehmung gar nicht möglich.
Ob wir ein ästhetisches Erlebnis haben, hängt davon ab, wie wir etwas in einer bestimmten Situation wahrnehmen.
Die Theorie der Ästhetik als die Theorie der sinnlichen Erkenntnis ist jedoch zu weit gefasst, da nicht alle sinnlichen Erkenntnisse unbedingt ästhetisch sein müssen. Eine Ausnahme bildet beispielsweise das Lesen von Büchern, bei dem nicht das Sehen der Buchstaben, sondern die Gefühle, die die Geschichte in uns hervorruft, ästhetisch auf uns wirken. z. B. kann man Spannung, Poesie und Witz nicht mit den normalen Sinnen wahrnehmen.
Andererseits ist diese Theorie auch zu eng formuliert, da nicht jedes Wahrnehmungserlebnis eine ästhetische Erlebnis ist. Das bedeutet, dass nicht jede Wahrnehmung ästhetisch ist und dass die Erkenntnis ästhetischer Qualitäten nur eine von vielen möglichen Anwendungen der Erkenntnisinstrumente ist.
Ästhetische Prädikate
Ästhetische Prädikate sind Wörter, die die Eigenschaften eines Gegenstands beschreiben. Es gibt sehr viele Eigenschaften, die eine Sache haben kann, damit ästhetische Gefühle hervorgerufen werden.
Die Vielfalt dieser ästhetischen Prädikate, die den Gegenständen ihre Eigenschaften zuordnen, umfasst mehr als die bekanntesten Wörter hässlich und schön.
So zählen auch Bezeichnungen wie anmutig, erhaben, anrührend, poetisch, kitschig, sinnlich, ausdrucksstark, seicht, langweilig und humorvoll zur Gruppe der ästhetischen Prädikate."
Ende des Zitats
Auf die Bewertung von Fotos angewandt, lässt sich feststellen, dass es einen Mainstream gibt, der sich in erster Linie der "Ästethik als Theorie des Schönen" verpflichtet fühlt und Bild- oder Gestaltungsmittel wählt, die dem Fotografen und einer vermuteten Mehrheit der Betrachter gefallen. Die Bestätigung dafür findet sich in Hitparaden wie "What's hot" in Ipernity oder "Interestingness" in Flickr, wenn man davon ausgeht, dass Attribute wie bunt, romantisch, harmonisch, niedlich usw. für viele Menschen Schönheit beschreiben.
Vergleichbar ist das mit dem Gebaren der Fernsehsender bei der Gestaltung des Samstagabendprogramms. Es werden dort Sendungen angeboten, die dem vermuteten Mehrheitsgeschmack entsprechen. Ergebnis ist, dass neben platten Rateshows überwiegend sog. volkstümliche Musik gesendet wird, die nicht zufällig ähnlich idyllische Motive verwendet wie Fotografen, die auf massenhafte Aufmerksamkeit zielen.
Glücklicherweise gibt es Fotografen, die eher einer "Ästhetik als Theorie der sinnlichen Erkenntnis" folgen. Das heißt, sie sind auf der Suche nach sinnlichen Wahrnehmungen, die sich dem Klischee "schön" entziehen, dafür aber eine oft nicht immer einfach zugängliche, eigenständige Ästhetik zeigen, die mit viel komplexeren Begriffen beschrieben werden muss.
Vergleichbar ist das aus meiner Sicht wiederum mit der Rezeption von Musik: Kaum jemand wird bestreiten, dass es beim Hören von Musik sozusagen einen Weg vom Einfachen zum Komplizierteren gibt. Niemand hört als 14jähriger Bartok oder Miles Davis. Erst der Weg über eigene Hörerfahrungen (Offenheit und Neugier vorausgesetzt) führt zur Fähigkeit, auch komplexere und weniger eingängige Musik genießen zu können.
Damit will ich nicht die Arbeit derjenigen abwerten, die sich der "Schönheit" verpflichtet fühlen, andererseits aber darlegen, dass das Verharren bei "schönen" Fotos einen Stillstand darstellt.
Zur Klarstellung: Ich bin nicht der Meinung, völlig meinen eigenen Kriterien zu genügen. Ich nehme für mich in Anspruch, auf der Suche zu sein und hoffe, nie zum Ziel zu kommen.
aze.pro says:
fuer mich ist das ein schwieriges thema. aesthetik ist in der tat ein begriff den die meisten ganz selbstverstaendlich verwenden, es ist ein konzept. das auch in der literatur wiederum gerne mit anderen konzepten versucht wird, zu erklaeren. vermutlich weil sich eine eindeutige beschreibung der worte entzieht - ich koennte es mir gut vorstellen.
ich habe aesthetik bislang immer fast synonym mit "stil" verwandt. fuer mich ist etwas aesthetisch wenn es stil hat - das schoen geht mir nicht weit genug. stil umschreibt nicht die harmonie einer sache (schoen wird oft mit harmonisch gleichgesetzt). integritaet waere noch ein stichwort das mir dazu einfiele.
aesthetik in der kunst wird auch mit wahrheit in verbindung gebracht.
passend dazu und zum phaenomen mainstream hier mal ein zitat aus dem buch "die versiegelte zeit - gedanken zur kunst, zur aesthetik und poetik des films" von andrej tarkowskijs. das buch ist uebrigens erst vor kurzem wieder neu aufgelegt worden und ich kann es auch fotografen/fotografieinteressierten empfehlen.
"das schoene bleibt dem auge jener verborgen, die die wahrheit nicht suchen. gerade die geistlosigkeit dessen, der kunst aufnimmt und beurteilt, ohne bereit zu sein, ueber sinn und zweck ihrer exitenz nachzudenken, verfuehrt haeufig genug zur vulgaer verinfachten formel "das gefaellt mir nicht!" "das ist uninteressant""
(anmerkung: siehe die bemerkungen im radiobeitrag zur mona lisa)
"das ist ein starkes argument, aber es ist das argument des blindgeborenen, der versucht, einen regenbogen zu beschreiben. er bleibt einfach jenem leiden gegenueber taub, das ein kuenstler durchmacht, um anderen die dadurch gewonnene wahrheit mitzuteilen.
doch was ist wahrheit?
eines der traurigsten kennzeichen unserer zeit ist meiner meinung nach die tatsache, dass der durchschnittsmensch heute endgueltig von all dem abgeschnitten wird, was mit einer reflexion des schoenen und ewigen zusammenhaengt. die auf den "konsumenten" zugeschnittene moderne massenkultur - eine zivilisation der prothesen - verkrueppelt die seelen, verstellt dem menschen immer haeufiger den weg zu den grundfragen seiner existenz, zu einer bewusstwerdung seiner selbst als eines geistigen wesens."
;-)
DevilsPainterpro says:
Ich bleibe trotzdem dabei "es gefällt mir nicht!
Stil, Kunstverständnis, Geschmack... Gottseidank sind alle 5 Sinne frei interpretierbar und bleiben immer Subjektiv!
lichtundschattenpro replies:
Ich würde nie jemandem bestreiten, frei seine wie auch immer aussehende Meinung zu sagen.
Trotzdem empfinde ich es aus eigener Erfahrung heraus richtig und wichtig, sich nicht für alle Zeiten festzulegen, sondern sich auseinanderzusetzen, offen zu sein und sich zu entwickeln.
aze.pro replies:
aber das machen viele nicht. sie haben wenn sie bspw. fotos betrachten, eine erwartungshaltung. da gibt es dann eine begrenzte anzahl von motiven (makro, babies, nackte frauen).... die kleinen feinen toene werden nur zu oft ueberhoert. ist vermutlich auch ein "zeitproblem" bzw. die fehlende bereitschaft, sich die zeit dafuer zu nehmen.
ich beobachte das auch haeufig bspw. bei ausstellungen, da wird bild fuer bild im affentempo abgerannt, texte werden fast gar nicht gelesen (insbesondere nicht, wenn sie laenger als drei zeilen sind) - schnell durch um dann am schluss ein urteil kundzutun, dass schon 1.ooo andere vorher vertreten haben.
wozu dann das ganze? um montagmorgen im buero sagen zu koennen, man habe am wochenende wieder kultur gehabt und sich auf die eigene ach so intellektuelle schulter zu klopfen?
warum beschaeftige ich mich mit kunst? weil sie mich weiterbringen soll. mir vielleicht neue denkanstoesse geben soll. aber auch kunst zum sich darin heimisch fuehlen. aber kann ich das im 1.oooen libellen-makro mit hochgepitchten farben, dass mein eingebauter saettigungsregler schon erbrechen anzeigt??
das thema war aesthetik gelle? ;-)
aze. edited this comment 7 months ago.
tPmX5o says:
und
"Schönheit lässt sich nicht aus Begriffen konstruieren, wohl aber der Wert eines Kunstwerkes. Ein Kunstwerk kann mißfallen und doch gut sein." [Schriften II, 9-11]
Konrad Fiedler [*1841 +1891] lässt sich leider heute nicht mehr so leicht lesen, obwohl er überraschend weitreichende Erkenntnisse für die Kunsttheorie gemacht hat - dafür zitiert Lambert Wiesing ihn sehr ausgiebig in "Die Sichtbarkeit des Bildes. Geschichte und Perspektiven der formalen Ästhektik." (Reinbek bei Hamburg, 1997), für die Darstellung des Paradigmenwechsels hin zur 'reinen Sichtbarkeit' als eigenständige Form des Seins [S.145-167] und zur Bestimmung der 'neuen Medien' im Verhältnis zu z. B. Tafelbildern.
Wenn es dann um 'Bilder als Formeln' geht, wird es vielleicht etwas komplex zwischen 'Designation ohne Denotation' - aber das liegt auch an der wenig klaren Position von L.W. als 'Phänomenologe' im Bezug auf Semiotik. Aber immer noch besser als F. Kittler... *ggg*