H.B. Published on October 16, 2008
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Begegnungen

Thursday October 16, 2008 at 09:56PM

die Eindrücke hinterlassen.
Gestern hatte ich wieder so eine..
Sie hing mit der Fotografie zusammen, deshalb möchte ich sie hier
niederschreiben..
Seit Monaten läuft der Mittwoch bei mir immer nach einer bestimmten Folge ab.
4 Stunden sind der körperlichen Fitness gewidmet, anschließend darf die Seele baumeln – sprich Bummeln in der kleinen Stadt, mit offenen Augen und bereit , dem zu folgen, was mir in den Sinn oder vor die Kamera kommt...

Dieses Mal hatte ich ein festes Ziel . Eine der hiesigen Zeitungen wartete auf Fotos der Leser zum Thema Herbst.
Preise gibt es sehr wahrscheinlich keine – aber die Auszeichnung besteht darin, dass die Bilder ins Netz in eine Art hall of fame kommen – und das hat auch seinen Reiz...

In der Bahnhofstraße hielt ich inne- der Park war idyllisch, der Boden von Blättern übersät , die fliegenden Blätter im Wind hatten einen gewissen Charme.
Fünfzig Meter weiter oben bemerkte ich einen Mann, der sich auch ein Motiv für die Kamera ausgesucht hatte und ich dachte:'Gehst mal gucken, welcher Blick sich anderen „Kollegen“ so bietet - vielleicht ist da noch mehr herauszuholen..'
Wir standen ein paar Minuten schweigend nebeneinander . Aber dann war ich doch neugierig, welche Schwerpunkte er im Auge hatte – und vor allem, was für eine Kamera er in der Hand hielt. Es war eine relativ kleine. Wie sich später herausstellte, war es eine analoge. Er meinte dann, dass er zu Hause noch eine wertvolle Rollei hätte . Wir unterhielten uns über die Fotografie und über meine Anstrengungen bei der Suche nach guten Motiven.

Ich ahnte nicht , wer oder was er war, als er fragte ."Sind Sie in 2 Minuten noch da...?"
Mein Gesicht war ein einziges Fragezeichen.. Ich zögerte , trat mir aber dann sofort selbst in den Hi... Klar werde ich da sein... Die Neugier war einfach zu groß .. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, was er vorhatte....

Ob unser Gespräch damit zusammenhing..? Und außerdem hatte ich ja auch längst noch nicht alle Einstellungen durch... ;-))..
Nach kurzer Zeit kam er wieder und drückte mir ein Buch in die Hand mit den Worten: „Das schenke ich Ihnen “
Es war ein großes , gebundenes, etwa 2cm dickes Buch mit dem Titel

„......mit den Augen zu sehen, was vor den Augen uns liegt.“

Ich war völlig verdutzt, wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen , so sehr hatte ich mich über diese unerwartete Zuwendung gefreut. Ich las den Namen des Verfassers: K.O.W. Müller und fragte ihn::
„Sind Sie Herr Müller ?“
„Ja“
Es war ein Bildband mit Fotos , Motiven, Kunstwerken –
und es waren seine eigenen...

Mit den Augen zu sehen....
Mit den Augen zu sehen....



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12 Comments / add your comment?

Rasch2000pro says:
Sehr schöne Geschichte, Heidi.
Also, auf in die Galerie Dreiklang. Gastaussteller: K.O.W. Müller. Ach nee, war ja schon... ;-)

Müller, K.O.W.: ´...mit den Augen zu sehen was vor den Augen uns liegt.´
225 Seiten mit 222 Rollei-Farbfotos, 30,5 x 30,5 cm, Berlin 1989, Schuber, geb.

´Im Alltäglichen verbirgt sich manche Besonderheit, die von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird, denn Gewöhnung stumpft ab. Wer aber im gewohnten Rahmen Neues entdecken und in sich aufnehmen kann, findet in der Fotografie ein adäquates Medium zum Festhalten und Vermitteln seiner Beobachtungen.´ Müller will aufnehmen, schauen lassen, nicht konstruieren, sondern die Fotografie zu ihrem ureigensten Zwecke zurückführen.
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
H.B.pro replies:
Danke, lieber Rainer!
Das ist ja eine Überraschung, was du da ausgegraben hast... ...
Ja, genau das steht in seiner Einführung des Buches...
Unser Gespräch passte einfach und hat ihn dann so handeln lassen.
Der Mann ist bescheiden, irgendwie unscheinbar, nicht belehrend oder Ähnliches gewesen.
Es deutete nicht das Geringste daraufhin, wen ich da vor mir hatte..
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
Waldgeister says:
DAS macht den wahren Könner aus....
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro says:
Gestern hab ich das Foto zwar schon gesehen, konnte aber mit dem Titel nichts anfangen, weil ich nicht dahinter gestiegen bin, ob es jetzt "was vor den Augen liegt" oder "was vor uns liegt" heissen sollte, oder ob das vielleicht das Werbeplakat eines Optikers ist (wegen der etwas verschwommennen rechten Seite). Heute hat es dann bei dem Text endlich geklickt (ich bin wohl doch schon zu lange weg), und jetzt verstehe ich auch den Zusammenhang.

Nette Begegnung - ich wuensche dir noch viele mehr in dieser Art, Heidi!
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
H.B.pro replies:
Danke, liebe Barbara1
"....was vor den Augen uns liegt" ist von der Wortfolge her etwas umgestellt-
man würde zeitgemäß sagen: "was uns vor den Augen liegt. Ob es daran gelegen hat..?
Diese Umstellung gibt der Aussage etwas Lyrisches, Altertümliches und lässt sie dadurch anders auf den Leser wirken...
Nur diese kleine Umstellung..
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Ja, wahrscheinlich liegt es daran. Ich hab's zuerst einfach nicht kapiert, es war mir total unverstaendlich.
Posted 14 months ago. ( permalink / translate )
limone says:
sehr schöne begegnung und geschichte. :-)
Posted 13 months ago. ( permalink / translate )
H.B.pro replies:
Danke, liebe Olivia..!
Obwohl es schon Wochen her ist, denke ich noch oft daran - bei jedem Herbstbild, das ich aufnehme und eigentlich auch, wenn ich diese Straße in HMü entlang gehe..
Posted 13 months ago. ( permalink / translate )
Hildegard Rasch says:
das Ende der Geschichte ist wirklich ueberraschend, aber dann ruehrend. Schoen, dass du das erzaehlt hast. Es ist ja oft so, dass die Kunst -- und die Photografie ist es bis zu einem gewissen Grad ja auch--also die Kunst Menschen vereint, und wenn es auch nur eine so kurze aber doch bedeutende Begegnung war.
Posted 10 months ago. ( permalink / translate )
H.B.pro replies:
Danke für den Kommentar. !
Ich hatte ihm übrigens noch mal ein paar Worte des Dankes geschrieben - das passte ganz gut, weil Weihnachten vor der Türe stand.und es mir ein Bedürfnis war, ihm mitzuteilen, dass ich das Geschenk würdigte. Er schickte dann auch eine Weihnachtskarte zurück , auf der ein Text stand, mit dem ich überhaupt nichts anfangen konnte , wie aus einer anderen Welt , aus der er bei unserer Begegnung nur kurz herausgetreten war...
Posted 10 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro says:
Schön geschrieben
- Manchmal denke ich - du hast genug fotografiert du hast schon soviele Bilder -
Aber wenn ich ein schönes Motiv sehe das mich anspricht möchte - muß - ich das fotografieren -
Allerdings wandelt sich auch die Aufmerksamkeit - und man sieht etwas mit anderen Augen -
ich glaube - unsere Gefühle spielen dabei eine große Rolle -
Ich werde also weitermachen - es macht mir halt Spaß -
und Kindheitsbilder oder überhaupt Bilder aus früheren Tagen haben ihren eigenen Reiz -
Posted 5 months ago. ( permalink / translate )
H.B.pro replies:
Danke für die Anerkennung !
Dieses Erlebnis war im Grund total anders, als es meiner normalerweise mehr verstandesorientierten Ausrichtung entspricht . Da kamen wohl mehrere Momente zusammen und ließen etwas anklingen, was ich von mir noch nicht kannte. ..
Genug fotografiert..?
Nein, diesen Gedanken hatte ich noch nicht - ich denke eher , es ist noch lange nicht genug und ich bedaure zutiefst, dass ich von der bewegtesten Zeit in meinem Leben (Studium in Berlin kurz nach dem Mauerbau , live-Erlebnis der Demonstation in Ostberlin am 4.11.89 u.v.a ) fotografisch so wenig festgehalten habe. Fotografieren war damals leider noch sehr teuer und Digitalfotografie kannte man meines Wissens nach auch noch nicht.. Vermutlich wäre sie auch unbezahlbar gewesen..
Posted 5 months ago. ( permalink / translate )

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