Mona Lisa Published on September 28, 2009
by Mona Lisa

Mona Lisa's blog

Browse posts
Mona Lisas Adventskalender 2009
Posted on November 29, 2009
18 comments (latest 7 days ago)
INHALTSVERZEICHNIS
Posted on November 21, 2009
34 comments (latest 13 days ago)
Auch späte Vögel fangen Würmer
Posted on October 24, 2009
107 comments (latest 5 weeks ago)
Ein unvergessener Augenblick
Posted on October 4, 2009
48 comments (latest 2 months ago)
Gut’ Ding will Weile haben
15 comments (latest 2 months ago)
Violas Geheimnis
Posted on August 20, 2009
18 comments (latest 3 months ago)
Neues aus Dattenfeld
Posted on June 19, 2009
53 comments (latest 2 months ago)
Der Hütchenspieler
Posted on May 22, 2009
31 comments (latest 6 months ago)
Wien-Nachlese
Posted on May 8, 2009
9 comments (latest 7 months ago)

Keyword tags

gnome
273
143
Troll
Freiheit
Hintern

More information

This post is public
Attribution + non Commercial + no Derivs
  1. 7 people added it to their favorites
  2. Read 275 times

Gut’ Ding will Weile haben

Monday September 28, 2009 at 04:52PM

Rückkehr des Trolls

Manchmal wird man plötzlich an Dinge erinnert, die man längst vergessen glaubte. So war ich doch sehr überrascht, als ich gestern anlässlich eines kleinen Spaziergangs einen alten Bekannten wiedertraf. Er hat mich nicht bemerkt, aber ich habe ihn beobachtet.

Zur Erinnerung: Der Troll war auf der Flucht vor dem zänkischen Weib des Holzfällers, das nach dem Genuss eines Zaubertrankes in Liebe entbrannt war, koppheister in einen Baum gesprungen und bedingt durch seine Leibesfülle dort stecken geblieben.

Die Winter kamen und gingen, ohne dass sich am Schicksal des Trolls etwas änderte. Anfangs hatte er noch versucht, durch Zappeln und Zerren seine Lage zu verbessern. Doch schließlich erkannte er, dass nur Geduld zum Ziele führen würde, und da Schmalhans nun Küchenmeister bei ihm war, konnte es lediglich eine Frage der Zeit sein, bis sein übermächtiger Hintern dem Rest des Körpers durch die schmale Öffnung ins Innere des Baumes würde folgen können.

Natürlich bedauerte der Troll, die besten Jahre seines Lebens auf diese Weise verbringen zu müssen, aber er es half nun alles nichts mehr, und so ergab er sich in sein Geschick.

Waren es nun hundert Jahre oder zweihundert, die ins Land gezogen waren, bis endlich Bewegung in den ausgemergelten Körper des Gefangenen kam? Jedenfalls gab es mit einem Male den entscheidenden Ruck und der Troll plumpste tief in den hohlen Baumstamm. Verdutzt sortierte der Befreite seine schlackernden Gliedmaßen, versuchte sich zu fassen und vom nötigsten Schmutz zu befreien, bevor er sich an den Aufstieg machte.

Es kostete unseren Freund einige Mühe, sich wieder ans Tageslicht vorzuarbeiten, und als er endlich sein fahles Gesicht durch die ihm zum Verhängnis gewordene Öffnung zu stecken vermochte, verharrte er erschöpft. Die frische Herbstluft belebte ihn nur allmählich, und die Sorge, dass seine Verfolgerin, des Holzfällers zänkisches Weib, immer noch auf der Lauer liegen könnte, ließ ihn zusätzlich Vorsicht walten.

Schließlich fasste der Wicht aber doch Mut und kletterte in die Freiheit. Zu seiner großen Verwunderung verlief gleich vor dem Baum eine im Sonnenlicht seltsam glänzende Spur, die er zunächst für einen Bachlauf gehalten hatte. Vorsichtiges Betreten zeigte aber, dass der Untergrund zwar recht glatt und steinhart war, keinesfalls jedoch aus gefrorenem Wasser bestand. Dergleichen war dem Troll noch nie unter die Augen gekommen, doch schnell verlor er das Interesse an dem wunderlichen Weg und wandte sich lieber dem munter plätschernden Flüsslein zu, das durch das Blattwerk schillerte.

Mit beherztem Sprung stürzte unser Held sich in die kühlen Fluten der Bigge, und sogleich durchströmte ihn ein wohliges Gefühl. Er spürte, wie seine ausgetrocknete Haut einem Schwamm gleich die Feuchtigkeit einsaugte, und mit wachsendem Leibesumfang kehrte auch die alte Lebensfreude zurück. Gerade als der Troll einen lauten Jubelruf gen Himmel schicken wollte, traf ihn etwas an der Schläfe, und gleichzeitig hörte er hinter sich Stimmen.

„Ey, du Blödmann! Was soll der Quatsch? Fast hättest du mich abgeschossen.“, schimpfte ein junger Mann. „Ich wollte dich doch gar nicht mit dem Stein treffen, sondern das Stück Treibholz vor dir. Wirf das mal rüber!“, rief ein zweiter Bursche. Und schon wurde der Troll aus dem Wasser gehoben und landete nach kurzem Flug durch die Luft unsanft am Ufer.

Noch benommen von der Wucht des Aufpralls stieg der Troll erst an dem Punkt der Unterhaltung zwischen den beiden Freunden ein, die sich mit der Eroberung eines Mädchens beschäftigte.

„Wir müssten so ein Zeug haben, das sie eine Zeit betäubt“, meinte einer. „Du meinst k.o.-Tropfen? Ja, das wäre gut. Aber kennst du einen, der so einen Trank besorgen kann?“, erwiderte der andere.

Gerade wollte sich der Troll einmischen und wichtig verkünden, dass er sehr wohl in der Lage sei, einen solchen Betäubungstrank zu mischen, doch dann fiel dem Geplagten ein, in welche Schwierigkeiten ihn Zaubertrank, Liebe und vor allem die Frauen zuletzt gebracht hatten. Da gab er sich mit aller Entschlossenheit einen Ruck, rollte das abschüssige Ufer hinab bis zur Bigge, tauchte ein und entschwand mit den Fluten.

Wohin es ihn getrieben hat, weiß niemand … und wenn er nicht irgendwo hängen bleibt, dann treibt es ihn bis zur Lenne, zur Ruhr, zum Rhein und dann hinaus auf’s offene Meer.

translate into English

15 Comments / add your comment?

Pandarinepro says:
Und wenn er nicht gestorben ist ...

;-)))
Posted 3 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
wer weiß? vielleicht begegnet er mir mal wieder. :-)
Posted 3 months ago. ( permalink / translate )
Inkenpro replies:
wenigstens hast Du ihn diesmal nicht verfolgt :-))))
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
deer prudence says:
Gut dass der Troll sich diesmal rausgehalten hat. Ich habe ihn kürzlich getroffen und Darf Euch ausrichten, dass es ihm gut geht.

(und vom nötigsten Schmutz zu befreien habe ich nicht verstanden. Warum sollte ein vernünftiger Troll sich von etwas so nötigem befreien wollen?)
Posted 3 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
sagen wir mal so: wenn du kopfüber (also koppheister) mit dem gesicht in der vogelsch*** landen würdest, hättest du sicher auch das gefühl, dass allein aus sehtechnischen gründen eine grobe wischung angebracht sei. :-))
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
deer prudence replies:
Da werd ich ja gleich noch grüner!!
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
mo **pro says:
und so lange will er keinen muks mehr von sich geben ? wird er dies aushalten ?
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
... wenn er ich wäre, dann nicht. :-))
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Und das ist auch ganz gut so!
;-D
Posted 2 months ago. ( permalink )
hermannfjpro says:
schöne Geschichte !..da muss ich demnächst mal wieder zum Rheinufer gehen...gucken, wann er vorbeikommt.
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
halt ihn fest und mach ein foto. :-))
Posted 2 months ago. ( permalink )
albtraumpro says:
Unterhaltsam und lehrreich ;-), Dank der Kommentare weiß ich jetzt auch was koppheister bedeutet.
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
ich liebe ja solche altertümlichen wörter ... und dieses ist ein erbstück von meiner besten freundin. :-))
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Elbertinumpro says:
sehr schön geschrieben mit einer guten Portion Fantasie und Humor - danke - es war ein Genuß zu lesen
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa replies:
... an beidem mangelt es mir gott sei dank nicht. danke. :-)
Posted 2 months ago. ( permalink / translate )

Add your comment

Reply to this comment

Edit your comment

Please sign in to post a comment Sign in now?


rss Latest comments – Subscribe to the feed of comments related to this post.

 

Català | Čeština | 中文 | Deutsch | English | Español | Esperanto | Ελληνικά | Français | Galego | Italiano | Nederlands | Português | Svensk ny | More...